Die bei der Milchbildung wichtigen Hormone Oxytozin und Prolaktin werden nun von der Hirnanhangdrüse produziert. Sie ermöglichen ein Zusammenziehen der Muskelwände in den Milchbläschen und so kann die Muttermilch fließen. Es kommt nun zu dem wichtigen Milchspendereflex.
Das Baby trinkt zuerst die Muttermilch, die während zwei Stillmahlzeiten aus den Milchbläschen in die Milchgänge laufen. Diese werden am unteren Ende größer und breiter, und in den Milchseen sammelt sich Ihre Muttermilch. Pro Brust gibt es zwischen 15 und 20 der sogenannten Milchseen gibt. Das Baby trinkt die Brust nie ganz leer, es lässt immer noch eine Reserve übrig.
Ich habe mich bei allen Schwangerschaften auf viel Sonne, viel Luft, wenig BH-Tragen beschränkt. Ob „mehr tun“ auch mehr „gebracht“ hätte, kann ich nicht beurteilen.
Empfehlen möchte ich aber, der Brust schon in der Schwangerschaft die nötige Hautpflege angedeihen zu lassen – ich habe brav meinen Bauch eingeschmiert und gecremt und massiert und gebürstet, und trage meine Schwangerschaftsstreifen jetzt (mit einigem Stolz) am Busen, den ich total vernachlässigt hatte. Auch hier wird die Haut oft sehr stark gedehnt, aber darüber spricht man offenbar nicht.
Schon beim beim ersten Kind haben wir uns ohne fremde Hilfe und Unterstützung „drübergetraut“, da hatten wir die nötige Zeit, um das Anlegen gemeinsam zu lernen, und niemanden, der dauernd dreingeredet hätte. Und wie geht das? Ich beschreibe jetzt einmal das Stillen rechts, links geht es genau seitenverkehrt.
Das Baby liegt mit dem Kopf in meiner rechten Ellenbeuge auf der Seite, meine rechte Hand hält den Popo. Der linke Arm des Babys kommt unter meine Brust, der rechte darüber. Meine linke Hand hält die Brust, die Finger unten, der Daumen oben. Nun berühre ich mit der Brustwarze die Wange des Babys, dann wendet es seinen Mund der Brustwarze zu und reißt ihn auf (das ist ein Reflex). Ganz schnell ziehe ich das Baby jetzt ganz dicht an meinen Körper heran, damit es möglichst viel von der Brustwarze umfasst und sie tief in seinen Mund ziehen kann. Das Baby liegt nun parallel zu meinem Oberkörper und kann trinken und gleichzeitig durch die Nase atmen.
Ich war mir zwar noch ein wenig unsicher, aber mein Sohn konnte das perfekt. Kaum hatte ich ihn in die passende Haltung gebracht, ging es auch schon los. Er trank mit Hingabe, wenn auch sicher nicht viel, aber die erste Sicherheit hatten wir schon gewonnen. Von da an konnte mich niemand mehr verunsichern, keine Schwester, keine Familie, keine Freunde, es hatte schließlich schon geklappt.
Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich jedenfalls Hilfe gesucht – aber nicht bei Ärzten, möglicherweise bei einer Hebamme. Aber ich hatte damals schon erfahren, dass es professionelle Stillberaterinnen gibt, und hatte mehrere Telefonnummern in meiner Kliniktasche. Mir war es wichtig, zu stillen, und da wollte ich Unterstützung und Hilfe von jemandem bekommen können, der sie auch geben wollte.
Die ersten Tage
In den ersten Tagen nach einer Geburt ist noch nicht so viel Milch da, das Baby braucht auch nicht so viel. Von jetzt an braucht man zum Stillen vier Dinge:
1. Den Busen, 2. Das Baby, 3. Geduld und 4. Zuversicht
Das klingt jetzt vielleicht simpel, aber das ist es eigentlich auch. Das Baby meldet sich, wenn es Hunger hat. Dann legt man es an und lässt es trinken, solange es mag. Wenn man das Gefühl hat, dass es die Brust geleert hat, kommt die zweite Seite dran, mit der man dann beim nächsten Mal beginnen sollte. Wenn das Baby einschläft, schiebt man den kleinen Finger in seinen Mundwinkel, das Vakuum löst sich und man kann das Baby „abhängen“.
Nach dem Trinken lässt man die Brust am besten an der Luft trocknen, die Milch desinfiziert und pflegt die Haut der Brustwarze, die jetzt auf einmal sehr arg hergenommen wird. Das empfohlene Dauer-Tragen von Still-BHs habe ich nicht eingehalten, wenn kein Besuch kam, war es mir angenehmer, wenn Luft an die Brust kam und nichts abgeschnürt wurde.
Die Brust der Frau richtet ihr Angebot nach der Nachfrage. Das heißt, wenn das Baby oft trinkt, steigert sich die Milchproduktion, wenn es seltener trinkt, geht die Produktion zurück. Wenn es gleichbleibend trinkt, bleibt die Produktion so, wie sie ist. Vergleiche sind da aber nur vom selben Baby und unterschiedlichen Tagen sinnvoll, manche Babys trinken generell gerne häufiger, andere finden mit wenigen Mahlzeiten ihr Auskommen. Jede Mutter-Kind-Beziehung ist ganz individuell, daher gibt es keine anwendbaren Normen und Richtwerte, wie häufig ein Kind wie oft gestillt werden sollte.
Wird das Baby nach Bedarf angelegt, so fällt auch der „Milcheinschuss“ (etwa am dritten Tag nach der Entbindung) nicht so schmerzhaft aus. Die Milchdrüsen nehmen allmählich ihre Produktion auf (das spürt man manchmal als leichtes bis mittleres „Brennen“ in der Brust) und füllen die Brust mit Milch. Übrigens – der „dritte Tag“ ist nicht so eng zu sehen. Erstens ist der dritte Lebenstag bei einem um 01:00 geborenen Baby der Tag, der 47 Stunden nach seiner Geburt anfängt, bei einem um 23:00 Geborenen der Tag, der nach 25 Stunden beginnt (welch ein Unterschied!), und zweitens ist auch das nicht bei allen Frauen und Kindern genormt.
Das ist eigentlich alles. Trotzdem ist es nie so einfach, weil dieses Gleichgewicht am Anfang sehr labil ist und leicht gestört werden kann. Wodurch?

Fallen
... die das Stillgleichgewicht empfindlich stören können:
Jedes Baby verliert zunächst Gewicht, das können ganz schnell 10% des Geburtsgewichts werden. Leider gibt es viele Kinderärzte und Kinderschwestern, die sich von Tabellen eher beeindrucken lassen, als von dem Anblick eines Kindes, das rosig ist, zufrieden schläft, auch manchmal ein bisschen wach ist und den Stress seiner Geburt verarbeitet. Nach drei oder vier Tagen legen die meisten Kinder erstmals wieder ein bisschen zu. Die Unsicherheit von Ärzten und Kinderschwestern mit dem Phänomen, dass ein Neugeborenes außer seiner Mutter eigentlich gar nichts braucht, führt leider oft dazu, dass das Baby aus seinem natürlichen Zustand herausgerissen und „medizinisch betreut" wird.
Tee:
In vielen Fällen wird – mit den unterschiedlichsten Begründungen – ein Neugeborenes mit Tee aus dem Fläschchen versorgt. Bei vielen Babys (meiner Nummer 2 zum Beispiel) führt das zu einer Saugverwirrung, da man aus einem Fläschchen anders (leichter!) trinken kann, als aus der Brust. Der angeborene Saugreflex wird gestört, das Baby kann danach aus der Brust nicht mehr so gut trinken oder lehnt sie gar ab. Die Brust der Mutter wird zumindest leichter wund, das Anlegen kann zu einem Geduldspiel werden. Seinen Durst kann das Baby anfangs durch Muttermilch ausreichend stillen (das war immer schon so - sonst gäb's uns gar nicht).
Glukose:
In zu vielen Krankenhäusern wird ohne medizinische Indikation (außer, dass das Baby – was eben ganz normal ist – Gewicht verliert) Glukose in den Tee gegeben (Originalzitat: „das Mauserl soll ja nicht Hunger leiden“ – sag da einmal „ich will diesen Zusatz aber trotzdem nicht“ darauf!). Das Baby wird davon satt und verliert das Interesse an der Brust. Es trinkt weniger oder schlechter, die Milchproduktion wird weniger gut angeregt, nach ein paar Tagen „hat die Mutter zu wenig Milch“ und kann gleich abstillen.
Trinkplan:
Die merkwürdige Ansicht, jedes Baby habe die gleichen Bedürfnisse, ist immer noch weit verbreitet. Als ich mit meinem ersten Sohn im Spital ins „Kinderzimmer“ kam, bekam ich einen Trinkplan in die Hand gedrückt. Stillen sollte ich um 6:00, 10:00, 14:00, 18:00 und 22:00. Die Trinkmenge bei jeder Mahlzeit sollte ich eruieren, indem ich das Baby vor und nach dem Trinken zu wiegen hatte. Die Trinkmenge müsse am ersten Tag jeweils 10g, am zweiten jeweils 20g, am dritten 30g und so weiter sein. Ich habe aufmerksam mit dem Kopf gewackelt und jedes Mal, wenn diese Kinderschwester aufkreuzte, ichr die empfohlenen Daten genannt („ich habe vor drei Minuten gestillt, und es waren 40g.“). Natürlich habe ich diese Informationen frei erfunden, gestillt habe ich, wann immer mein Sohn danach verlangte, und ich dachte nicht im Traum daran, ein vor Hunger brüllendes Baby zu wiegen, bevor ich daran ging, seine Bedürfnisse zu erfüllen!
Zu wenig Milch:
Gerade Frauen mit kleineren Brüsten bekommen oft zu hören, da wäre gar nicht genug Milch da. Aber auch das Märchen von der „Fettbrust“ habe ich schon gehört ...
Also: bei etwa 95% aller Frauen sind die Milchdrüsen etwa gleich stark entwickelt. Der Großteil der Brust besteht hauptsächlich aus Fett und Bindegewebe, die mit dem Stillen rein gar nichts zu tun haben. Die Milchdrüsen sind übrigens nicht nur in der sichtbaren Brust, sie können sich bis zum Rücken ziehen (was man beim Milcheinschuss spüren kann). Wie „voll“ die Brust aussieht, sagt also wenig aus. Im Gegenteil, jetzt, in meiner dritten Stillbeziehung, ist meine Brust kleiner als am Beginn der ersten, aber das Stillen klappt einwandfrei.
Auch der Milcheinschuss, der am dritten Tag „stattzufinden hat“, ist (siehe auch oben) nicht so eng zu sehen. Er muss nicht so plötzlich und stark sein, dass er wirklich spürbar ist, und trotzdem ist genug da.
Psychische Probleme
Horror-Berichte
Wenig hilfreich sind manche Besucher und deren Kommentare. Viele müssen ihre eigenen schlechten Erfahrungen los werden – die meisten Menschen, die heutzutage Großeltern werden, sind selbst als junge Eltern Opfer der oben beschriebenen Fallen geworden. In den sechziger und siebziger Jahren war das Füttern mit dem Fläschchen besonders „in“, die Frauen waren weitaus unsicherer als heute. Das Stillen war in den Sechzigern total verpönt, als man erstmals die hohe Schadstoffbelastung der Muttermilch entdeckte.
Da werden unangenehme Erinnerungen natürlich wach, und wenige besitzen leider die Sensibilität, die junge Mutter damit zu verschonen.
Scham
Auch eher vom Umfeld kommt das Gefühl, sich für das Stillen schämen zu müssen – zeigt man doch dabei einen in unserer Gesellschaft auf seine Bedeutung im Sexualleben reduzierten Körperteil. In den Köpfen vieler Menschen ist die Brust nicht primär dazu geschaffen, ein Baby zu ernähren. Für sie ist es nicht einfach, mit einer selbstverständlich und coram publico stillenden Frau umzugehen. Mein Schwiegervater beispielsweise hat immer den Raum verlassen, wenn ich mich anschickte, meinen Sohn zu stillen, bis mein Mann einmal den Raum verließ, als er sich ein Keks nahm, und dann in aller Ruhe darüber sprach, dass das Stillen genau so ein Prozess der Nahrungsaufnahme ist.
Ich möchte damit keineswegs sagen, dass jede Frau immer und überall stillen muss. Mir persönlich macht das gar nichts, ich stillte schon in U-Bahnen, Parks, im Schwimmbad und im Restaurant. Aber wenn eine Frau das nicht mag, sollte sie sich das Recht nehmen, sich immer zum Stillen zurückzuziehen. Nicht einsehen kann ich allerdings, dass sich jemand vom Anblick einer stillenden Frau „gestört fühlt“ und es für nötig hält, sie deswegen anzufeinden!

Tipps und Ratschläge
Freunde, nahe Bekannte, Verwandte und – in überraschend großer Zahl – völlig Fremde geben ungefragt ihre Kommentare ab und erwarten, dass Ihre Tipps und Ratschläge dankbar angenommen und sofort befolgt werden. Dies kann unglaublichen Stress bedeuten. Ich habe im Laufe der Zeit eine wirkungsvolle Gegenstrategie entwickelt: Ich antworte prinzipiell nicht ausführlicher, als mit „Ja“ oder „Nein“. Und mache weiterhin das, was ich als richtig empfinde. Natürlich denke ich über Gesagtes nach, weigere mich aber, dies mit den Tipp-Gebern zu diskutieren.
Stress
Schwer störend kann sich jede Art von Stress auf eine Stillbeziehung auswirken. Auslöser gibt es da unzählige. Beginnend mit den Tipps-und-Ratschläge-Mitmenschen, mit unangemeldeten Besuchen, Gästen, die sich bewirten lassen und keine Anstalten machen, sich auch wieder zu verabschieden. Verwandten, die Ansprüche an die Sauberkeit des Haushalts stellen, ...
Dies alles zusätzlich zu der Belastung, die es bedeutet, plötzlich ein Neugeborenes versorgen zu müssen. Bei mir hat es sich bewährt, Besuche zu Hilfeleistungen „einzuteilen“: Einkäufe mitbringen, Essen kochen, Wäsche sortieren, das Gitterbett aufbauen ... Ich hab den Anspruch, alles selbst machen zu müssen, schon bald von meinen Schultern gehoben, mir war geholfen, und die Besucher durften das Baby länger sehen.

Heikle Stillphasen: Babys Entwicklungsschübe
Wenn sich erst mal ein Gleichgewicht zwischen Mutter und Kind eingespielt hat, geht das Stillen dann ganz leicht – jedenfalls bis zum ersten Entwicklungsschub. Plötzlich scheint das Baby nicht mehr satt zu werden, und ganz schnell kommen die Ratgeber wieder aus ihren Löchern und sprechen von einem „Rückgang der Milchproduktion“. Das Gegenteil davon wird wahr sein – das Baby wächst, braucht plötzlich mehr, und was bisher genug war, reicht nicht mehr aus. Es trinkt jetzt auch die Reserve aus der Brust, die es sonst zurücklässt.
Mutter und Baby nehmen sich jetzt am besten ein paar Tage Zeit für die Umstellung, versuchen, den Stillfallen noch besser auszuweichen als bisher, trinken viel, essen Kübelweise Suppen und legen sich vielleicht mit etwas Unterhaltendem ins Bett. Und stillen öfter als gewohnt. Die Tatsache, dass das Baby der Brust „an die Reserven geht“, bewirkt, dass jetzt mehr Milch produziert wird. Nach zwei, drei Tagen ist ein neues Gleichgewicht hergestellt, und für etwa sechs Wochen passt wieder alles.
Meine Kinder habe ich voll gestillt, bis sie ein halbes Jahr alt waren, und dann mit dem Zufüttern anderer Nahrung begonnen.
Stillberichte von Stillmamis können Sie hier nachlesen