Abhängig und manipuliert?
Doch nicht immer wiegen diese Vorteile ein wachsendes Gefühl von Abhängigkeit und Fremdbestimmung auf. Oft fühlen sich junge Stillmütter in ihrem Freiraum stark eingeschränkt, weil das Baby nicht auf sein "Busi" verzichten mag und immer mit von der Partie sein will.
Manchmal gelingt ein Kompromiss wenn die Zeit des "voll Stillens" vorüber ist und das Baby nicht mehr ausschließlich von Stillmahlzeiten lebt. Dann kommt auch die Zeit wieder, in der Mama mal ganz für sich alleine sein kann und sich ein bisschen ihrer früheren Unabhängigkeit zurück erobern kann. Auch das Abpumpen der Muttermilch, in einem Fläschchen verabreicht, kann eine Lösung für Mamis Ausgang sein und den Stillfrust wieder etwas eindämmen. So kann man sich ein wenig persönliche Freiheit und die praktischen Seiten des Stillens bewahren.
Fürchten Sie bitte nicht, dass Ihr Stillkind Ihnen absichtlich den Nerv zieht
oder Sie manipulieren will, auch wenn es sich aus Erwachsenensicht mitunter durchaus so anfühlen kann. Die Welt Ihres Kindes ist viel zu sehr vom "Ich" bestimmt, als dass es sich diese Mühe machen würde. Es geht hier immer nur um seine existenziellen Bedürfnisse (nach Essen, Trinken, Nähe, Wärme, Trost, Geborgenheit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, ...). Gedankengänge wie wir Sie mitunter dabei haben, gehören in die Welt der Erwachsenen und sollten auch dort behandelt und bearbeitet werden!

Stillen bis zum süßen Ende
Die meisten Kinder werden etwa sechs Monate lang gestillt, wobei die WHO empfiehlt 6 Monate voll, also ohne Ergänzung von Zusatznahrung oder Getränken, und danach mit Beikostgaben bis zum 2. Geburtstag zu stillen. bzw. so lange Mutter und Kind dies möchten.*
Immer wieder nehmen Frauen sich auch heutzutage vor, so lange zu stillen, bis das Baby (oder sie selber) nicht mehr wollen. Die weltweit durchschnittliche Stilldauer liegt zwischen drei und vier Jahren. Aber auch im Alter von 5 oder 6 Jahren werden Kinder mitunter noch gestillt, was allerdings wenig publik ist, denn die meisten betroffenen Mütter verschweigen dies aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung lieber.*
Tatsächlich lässt sich immer wieder beobachten: Ist das Bedürfnis des Stillkindes zu Ende befriedigt, löst es sich mit einem Male ohne Murren und Maunzen selbst aus der Stillbeziehung. Und dies oft mit ganz besonders berührenden Abschiedsszenen ...
Doch der Weg dorthin ist nicht immer nur einfach und praktisch. Fordernde Eineinhalbjährige, die Mami quengelig das T-Shirt raufschieben und lautstark nach ihrem "Buuuusi" verlangen, nehmen keine Rücksicht auf den "passenden" Zeitpunkt (eher im Gegenteil *g*). Hier ist die Stillmutter zu liebevoller aber bestimmter Abgrenzung aufgefordert.
Auch die Gesellschaft reagiert auf gestillte 2jährige nicht mehr ganz so selbstverständlich. Oft braucht Stillfrau hier besonders starke Nerven, um all den gut gemeinten Ratschlägen zu widerstehen. Eine Stillgruppe bzw. der Austausch mit Gleichgesinnten kann hier auch weiterhin eine große Unterstützung sein. Der Zuspruch von außen hilft der - manchmal durchaus zweifelnden Mama - über diese kleinen Hürden und stärkt sie.

Ausgezehrt
Wenn Sie sich entscheiden, die Stillbeziehung länger aufrecht zu erhalten, ist eine ausgewogene vitalstoffreiche Ernährung für Ihre eigene Gesundheit sehr wichtig. Achten Sie auch weiterhin besonders gut darauf, dass Sie ausreichend mit Mineralstoffen versorgt sind. So vermeiden Sie gesundheitliche Probleme durch Defizite. Denn mit der Zeit geht das Stillen so einfach, dass frau oft darauf vergisst, für den eigenen Körper dabei besonders gut zu sorgen.
Das Ende
Oft entsteht der Eindruck, dass nur eine hingebungsvolle Stillmutter eine wirklich gute Mutter ist. Lassen Sie diese Vorurteile bitte nicht näher an sich heran. Ihr Baby hat a la longue mehr von einem liebevoll und zärtlich gefütterten Fläschen, als von einer frustrierten Stillmama, die sich gezwungen fühlt etwas zu tun, was ihr zutiefst widerstrebt. Stillen gehört zu Ihren Rechten, aber nicht zu Ihren Pflichten als Mutter. Zweifellos ist stillen gut fürs Baby, aber bei weitem nicht alle Stillkinder sind immer nur gesund und bei weitem nicht alle Fläschchenkinder sind ewig kranke Allergiker!
Wenn Sie im Laufe der Stillbeziehung - aus welchen Gründen auch immer - entscheiden (müssen), diese abzubrechen, dann ist dies absolut in Ordnung. Tipps und Tricks dafür finden Sie hier.
Geht Ihre Stillbeziehung im gemeinsamen Einvernehmen mit dem Kind oder gar auf besonderen Wunsch Ihres Stillkindes zu Ende, werden Sie meist für Ihre Hingabe belohnt. Von rührenden Abschiedsszenen. Und auch noch Monate danach wird Ihr ehemaliges Stillkind vielleicht immer noch mit verträumten Blick "sein Busi" zärtlich streicheln ....
Als kleines Dankeschön!
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