Expertentipp: Baby on board
Wird ein Baby im Auto transportiert, geht es gewöhnlich um keine Weltreise. Aber auch schon bei der kürzesten Fahrt ist es notwendig, für maximale Sicherheit zu sorgen. Wenn Sie die Sicherheitshinweise beachten, ist das der beste Schutz dafür, dass Sie und Ihr Baby wohlbehalten am Ziel ankommen.
In unserer stark motorisierten Verkehrswelt sind Kinder (bis 14 Jahre) dort am stärksten gefährdet, wo Eltern es am allerwenigsten erwarten würden. Nämlich als Mitfahrer im zumeist elterlichen PKW. Ein Aufkleber mit dem Hinweis „Baby an Bord“ allein ist leider viel zu wenig. Tatsache ist, dass die Gefahren im Auto zumeist unterschätzt werden. Bei einer Fahrzeugkollision mit Stadtgeschwindigkeit (50 km/h) treten kurzfristig Kräfte auf, die mehr als das 30-fache des jeweiligen Körpergewichts betragen. Ein Säugling mit fünf Kilogramm „wiegt“ also kurzzeitig 150 Kilogramm. So ein „Geschoss“ kann selbst die beste Mutter der Welt nicht aufhalten.
Schalen, Wannen und Sitze
Die häufigste Sicherungsform für Säuglinge sind moderne Babyliegeschalen von Geburt bis maximal 13 Kilogramm Körpergewicht. Diese werden immer gegen die Fahrtrichtung und bis auf wenige Ausnahmen mit dem Dreipunktgurt gesichert. Weniger sicher, aber für spezielle Zwecke durchaus überlegenswert (zum Beispiel bei beeinträchtigten Kindern, Frühchen, Spreizhosenträgern), sind spezielle Kinderwagenwannen und –aufsätze, die quer zur Fahrtrichtung auf der Rückbank montiert werden. Darüber hinaus gibt es, insbesondere für größere Babys, auch rückwärts gerichtete größere Schalensitze, die bis 18 Kilogramm (etwa drittes Lebensjahr) verwendet werden können.
Die Auswahl der Babyliegeschalen sollte unbedingt in einem Fachgeschäft mit entsprechender Beratung stattfinden. Unglaublich aber wahr: Nicht alle Modelle (auch Testsieger oder gut verkaufte Systeme) lassen sich ohne weiteres in jedem Fahrzeug montieren. Oft sind die Gurte auf der Rücksitzbank (auch bei den neuesten und besten Automodellen) für die korrekte Montage einer Babyliegeschale zu kurz. Deshalb bitte unbedingt vor dem Kauf im eigenen Auto selbst ausprobieren.
Wichtig: Richtig montieren!
Zumeist erfolgt die Montage im Fahrzeug mit dem serienmäßigen Dreipunktgurt. Lassen Sie sich die korrekte Montage der Babyliegeschale in Ruhe vorführen. Hier werden häufig gravierende Fehler gemacht, die die Sicherheit Ihres Kindes massiv beeinträchtigen.
Manche Systeme bestehen aus einer Schale mit separatem Basisteil, welcher, mit dem Sicherheitsgurt befestigt, ständig im Fahrzeug verbleibt. Die Babyliegeschale kann relativ leicht in das Basisteil eingeklinkt und verriegelt werden. Einige wenige Modelle mit Basisteil können auch nur mit dem Beckengurt in Kombination mit einem Stützbein gesichert werden. Ganz neu und derzeit nur für wenige Fahrzeugmodelle erhältlich sind Babyliegeschalen, die mit Isofix, einem international genormten Befestigungssystem ohne Benutzung der Fahrzeuggurte im Auto befestigt werden können.
Grundsätzlich gilt: Der sicherste Platz für jedes Kind ist auf der Rückbank. Wenn möglich hinten in der Mitte (bester Schutz bei Frontal- aber vor allem auch Seitenkollisionen). oder hinten rechts.
Achtung!
Rückwärts gerichtete Kinderrückhaltesysteme dürfen keinesfalls auf Sitzplätzen mit aktivem Frontairbag (Beifahrersitzplatz) platziert werden. Für das Baby besteht hier akute Lebensgefahr durch die Auslösung des Airbags.
Die Schutzwirkung der Babyliegeschalen entsteht vor allem durch eine breitflächige Abstützung des gesamten Körpers über den Rückenteil der Schale. Achten Sie daher unbedingt auf eine ausreichend steile Positionierung der Schale im Fahrzeug. Je flacher die Schale befestigt wird, desto größer ist das Risiko, dass das Baby bei einer Kollision aus den Gurten herausrutscht.
Ganz wesentlich für eine hohe Schutzleistung ist die straffe Montage der Schale im Fahrzeug. Achten Sie bei der Montage vor allem auf eine absolut straffe Gurtführung. Die Babyliegeschale sollte bei der Montage sichtbar in die Sitzbankpolsterung gepresst werden. Eine fest montierte Schale erkennen Sie daran, dass Ihnen diese förmlich „entgegenhüpft“ sobald die Gurtlösetaste gedrückt wird.
Aber auch das Baby muss in der Schale gut positioniert werden. Legen oder setzen Sie Ihr Baby in die Schale. Die Schultergurte müssen so eingestellt sein, dass sie oberhalb der Schulter des Kindes aus der Schale kommen. Moderne Systeme haben bereits mehrfach höhenverstellbare Schultergurte. Die Gurte müssen straff am Körper des Babys anliegen. Faustregel: Gerade eine flache Hand darf zwischen die Gurte und den Brustkorb des Babys passen.
Insbesondere in der kalten Jahreszeit werden Babys mit dicken Anoraks oder Overalls in die Babyliegeschale gepackt. Die Eltern wollen ihre Kinder verständlicherweise vor Kälte schützen. Sicherheitsnachteile: Durch die dick auftragende Kleidung erscheinen die Schalen schon bald als viel zu klein für die warm eingepackten Kleinkinder. Die Gurte werden nicht wirklich straff angezogen oder ihre Länge reicht kaum aus, um das Kind zu sichern. Dabei wäre so viel Wärmeschutz in den meisten Fällen gar nicht notwendig. Moderne Schalen sind wegen der Stoßdämpfung unterhalb des Stoffbezugs fast durchgängig mit Styropor ausgestattet. Dadurch wird der Kinderkörper zur Schale hin sehr gut isoliert. Statt des dicken Overalls erreichen Sie mit einer dünnen mehrschichtigen Kleidung und einer warmen Decke sowie einer Mütze einen besseren Wärmeschutz. Nach einigen Minuten Fahrt ist das Auto aufgewärmt und auch die Decke kann entfernt werden. Das Baby schwitzt so bei längeren Fahrten nicht so stark.
Fehler bei der Montage
Montage auf einem Sitzplatz mit aktivem Airbag
- Zu flacher Winkel
- Fahrzeuggurt nicht straff gespannt
- Falsche Gurtführung über die Babyliegeschale
Wann zum Kindersitz wechseln?
Grundsätzlich so spät wie möglich. Vielen Eltern kommt die Babyliegeschale schon mit sechs Monaten für ihr Baby viel zu klein vor. Schließlich ist der Säugling zum Kleinkind gereift, mittlerweile schon ordentlich gewachsen und hat sich in vielerlei Hinsicht verändert. Viele Kinder können jetzt schon krabbeln oder sogar schon sitzen. Da ist es schwer verständlich, die Kleinen immer noch in die Neugeborenenschale zu legen. Im Winter macht zudem der optische Eindruck unsicher. Wenn die Beine länger werden, ragen sie über den unteren Schalenrand und die Babys stoßen mit ihren Füßen an die Rückenlehne an. Trotzdem ist auch jetzt noch die rückwärts gerichtete Transportmethode mit Abstand die sicherste. Warum?
Der Kopf eines Kleinkinds macht zu Beginn fast ein Fünftel der Gesamtmasse aus. Dieser Kopf ist nur mit einem sehr schmalen und muskulär schwach entwickelten Hals mit dem restlichen kleinen Körper verbunden. Bei einem vorwärts gerichteten Kindersitz würde nur der Körper durch die Hosenträgergurte (oder den Fangtisch) zurückgehalten werden. Der schwere Kopf würde mit einem Vielfachen seines normalen Gewichts nach vorne gerissen. Dabei werden der Hals und damit die Halswirbelsäule extrem gedehnt und auch verbogen. Durch eine zu lockere Befestigung des Kindersitzes wie auch des Kindes wird diese ruckartige Belastung noch weiter erhöht. Schwere, bleibende Verletzungen der Halswirbelsäule sind sehr wahrscheinlich. Die von unwissenden Eltern zur vermeintlich besseren Sicherung verwendete Schlafstellung verstärkt diesen Effekt in der Regel noch. Der Winkel zwischen Körper und Kopf wird noch extremer.
Beim rückwärts gerichteten Transport werden der Körper, der Hals und der Kopf gleichmäßig und ohne Verdrehung über die stabile Rückenlehne der Babyliegeschale abgestützt. Es ist erwiesen, dass Kinder in rückwärts gerichteten Sitzen ein deutlich geringeres Verletzungsrisiko haben als Kinder in anderen Systemen.
Gute Gründe für den Wechsel
- Das Kind erreicht das Grenzgewicht. Bei üblichen Babyliegeschalen der Gruppe 0+ sind das 13 Kilogramm. Das kommt in der Praxis allerdings äußerst selten vor.
- Das Kind reicht mit dem Scheitel gefährlich nahe an den oberen Schalenrand heran. Dies kommt vor allem bei veralteten Babyliegeschalen der Gruppe 0 vor, die nur bis zehn Kilogramm Körpergewicht zugelassen sind und daher in der Regel auch kleinere Schalen haben. Hier wäre zuerst ein Wechsel in eine größere aber immer noch rückwärts gerichtete Schale der bessere Weg.
- Das Kind kann schon sehr gut alleine sitzen und wehrt sich vehement gegen die halb liegende Position.
- Grundsätzlich sollte ein Wechsel in ein vorwärts gerichtetes (zumeist Hosenträger-) System erst dann erfolgen, wenn das Kleinkind schon wirklich gut und alleine sitzen kann. Ist die Stützmuskulatur soweit gekräftigt, dass das eigene Körpergewicht gehalten werden kann, nimmt das Risiko einer Halswirbelverletzung mit steigendem Alter weiter ab.
Weniger ist mehr
Moderne Babyliegeschalen verleiten viele Eltern zur exzessiven Nutzung der Babyliegeschale. Neben der eigentlichen Funktion als Schutzsystem im Fahrzeug wird die Schale auch als Wippe zu Hause und bei Freunden eingesetzt. Darüber hinaus ermöglichen so genannte Travelsysteme (Fahrgestelle, in die die Babyliegeschale eingeklinkt werden können) den Gebrauch als Ersatzkinderwagen. Auch im Einkaufswagen im Supermarkt findet eine Schale locker Platz. Das ist so schön praktisch und erweitert den Aktionsradius der jungen Eltern ungemein. In der Früh noch ein Fläschchen und eine neue Windel, dann ab ins Einkaufszentrum und nachher noch zu Oma auf einen Kaffeeplausch. Da kommen in der Summe viele Stunden unbeweglichen Verharrens in der Schale auf Ihr Baby zu. Die angewinkelten Beine drücken gegen den vollen Magen und dieser wieder auf die Lunge. Die Atmung wird erschwert. Zudem sorgt die gekrümmte Haltung für eine starke Belastung der noch weichen Knochen. Wer nicht glaubt, dass das seinem Baby schadet, der soll sich doch mal bitte in eine Schubkarre legen und sehen, wie lange er dort bewegungslos ausharren kann.
Wer also seinem Kind Sicherheit und Komfort bieten möchte, sollte die Babyliegeschale nur dort einsetzen, wo sie ursprünglich hingehört: im Auto. Wer dort auf Sicherheit achtet, der gibt seinem Kind eine gute Chance, auch eine schwere Fahrzeugkollision unbeschadet, zumindest aber ohne bleibende Schäden zu überstehen.
Weitere fachkundige Informationen zum Thema:
Autor: Peter Jahn, Kindersitz-Spezialist und Berater für Kindersicherheit des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie,
Tel: +43 699 10 11 30 44
peter.jahn@autokindersitz.at
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