Wir ziehen uns an, holen meine Schwiegermutter zu uns in die Wohnung (sie wohnt unter uns) und warten noch auf ihren Rat. Sie meint, ich soll noch ein bisschen warten. Ich habe Hunger und esse einen Müsliriegel. Gott sei Dank haben wir nicht gleich die Rettung gerufen, denn plötzlich hatte ich gar nix mehr. Naja, war halt ein Probealarm.
13. Juli 2006
Ich wache schon mit Wehen auf. Sie kommen aber nur alle halben Stunden ungefähr. Aber sie hören nicht auf. Noch ist alles ganz erträglich. Ich sitze auf meinem Gymnastikball, kreise mit dem Becken, atme in den Bauch und so weiter. Wir haben von unserem Nachbarn ein Gitterbett bekommen, das wir zu meiner Mama in die Wohnung stellen wollen. Ich helfe noch tatkräftig beim Zusammenbauen mit. Auch der Swimmingpool ruft mich noch mal, es ist total angenehm in dieser Schwerelosigkeit dahinzutreiben. Danach besiege ich noch schnell meinen Freund beim Federball spielen.
Um 21 Uhr gehen wir ins Bett. Die Wehenabstände haben sich auf 15 Minuten verkürzt. Um 22 Uhr beginnt "Grey´s Anatomy", unsere Lieblingsserie. In weiser Voraussicht nehmen wir es auf. Um 22.15 Uhr sage ich zu meinem Freund: "Du da rinnt was!!" Fruchtblase gesprungen!!!!!! Er ruft sofort die Rettung. Mir ist eiskalt und ich freue mich schon auf unser Baby (was es wohl werden wird????).
Um 22.30 Uhr ist die Rettung endlich da. Zwei ganz nette Jungs tragen mich auf einer Trage zum Auto und wir brausen mit Blaulicht los. Mein Freund gerät ins Schwitzen, er ist sichtlich nervös. Im Rettungsauto spielt Musik von Queen. Ganz entspannend.
22.45 Uhr: Wir kommen im LKH Graz an. Ich werde in einen langen Gang geschoben und stehen gelassen. Hallo??? Ist denn hier keiner? Endlich kommt eine Ärztin und nimmt uns auf. Ich werde sofort in den Kreißsaal geschoben. Mein Freund ist nun total locker. Ich bin froh dass er bei mir ist. Die Hebamme sieht sich meinen Muttermund an, 7cm. JUHU! Das ist gut, oder? Die Wehen werden schnell schlimmer. Ich lasse mir ein wenig Schmerzmittel spritzen. Zweimal entleert die Hebamme meine Blase mittels eines Katheters. Das tut vielleicht weh! Bald haben wir schon die 9cm. Aber unser kleiner Schatz will und will noch nicht kommen. Ich habe schon so einen Drang zu pressen und die Hebamme sagt immer, ich darf noch nicht. Dann gibt sie mir ein bisschen Wehenmittel und warnt mich schon mal vor, dass sie wahrscheinlich einen Dammschnitt machen muss. Dann geht alles ganz schnell.
2.28 Uhr: Die nächsten Presswehen kommen und ich darf endlich pressen. Ein kurzer Zieper (der Schnitt) und ich sehe endlich den kleinen Kopf, den Oberkörper, und schließlich endlich seine Beine. Mein Freund hat alles ganz genau verfolgt und ist der erste der sieht, dass es ein Junge ist. Er ist auch das erste Gesicht auf dieser Welt, dass Tobias gesehen hat. Das merkt man auch, wenn die beiden sich heute ansehen.
Mein Freund schneidet die Nabelschnur durch und endlich wird mir unser kleiner Schatz auf den Oberkörper gelegt. Er ist so glitschig! Und klein! Und ich bin überglücklich! Unser kleiner Schatz wird schließlich gewogen und gemessen und sauber gemacht, sein Papa ist natürlich immer dabei. Ich werde inzwischen genäht und versorgt, dann ins Zimmer gebracht, aber an Schlaf ist nicht zu denken. Alles ist einfach wie im Traum, es ist so wunderschön, endlich Mama zu sein.
Ich danke Gott, dass wir so einen schönen, gesunden, lustigen, freundlichen und gscheiten Jungen bekommen haben.