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Dorian & Valerian *2005

 

Die letzten Tage waren irgendwie anstrengend für mich. Ich hatte schwer mit den Wassereinlagerungen zu kämpfen, wurde immer unbeweglicher und lag eigentlich nur mehr.

Weiters bemerkte ich, dass sich Dorian nur mehr ganz selten bewegte, während Valerian nach wie vor den Ton im Bauch angab. Allerdings lag er wiederum sehr ungünstig, seinen Kopf unter meinem Nabel, zusammengerollt, Beinchen unten, wie ein Engerling und drängte Dorians Kopf hinunter.

Morgens machte ich mich fertig für die Routineuntersuchung im Krankenhaus, SSW 34+0. Intuitiv packte ich noch schnell meinen Klinikkoffer bevor ich aufbrach. Zuerst wurde Valerian geschallt und untersucht, alles war bei ihm in bester Ordnung.
Dann war Dorian an der Reihe und da sah es auf einmal nicht mehr so gut aus, er wurde besonders genau untersucht, mit dem Ergebnis, dass er wohl nicht mehr ausreichend versorgt wird, weiters zeigte er Stresszeichen, es ging ihm also nicht wirklich gut.

Die Ärzte bestanden auf eine sofortige stationäre Aufnahme und wollten zunächst die nächsten Tage abwarten. Ich bestand darauf noch ein Mal nach Hause zu gehen um mich um unsere anderen beiden Kinder zu kümmern, sie versorgt zu wissen und versprach um 14 Uhr wieder in der Klinik zu sein.

Dort angelangt meinten die Ärzte, es wäre doch besser nicht mehr zu warten, sondern unsere Buben am nächsten Tag zu holen, sicher sei sicher. Um 17 Uhr wurde ein CTG gemacht, dass zum einen Wehen aufwies, zum anderen zeigte, dass Dorians Herztöne schwächer waren, als die seines Bruders. Von da an redete ich den beiden Jungs gut zu, mir war ganz recht, dass sie nun selber entschieden, dass sie raus wollten. Der Gedanke, dass sie einfach willkürlich geholt werden, war mir unbehaglich. Weiters nahm ich von meiner Kugel Abschied, da dies wohl meine letzte Schwangerschaft war, musste das einfach sein. Um ca. 18.30 Uhr wurde mir die Cerclage entfernt, man vermutete, dass sie die Gebärmutter reizte und dies die Wehen verursachte.

Kaum war die Cerclage entfernt, ging es aber erst richtig los, bei der nächsten Muttermundkontrolle war dieser bereits weit geöffnet und ich hörte den Arzt sagen: Valerians Fuß schaut schon heraus (in intakter Blase). Am CTG sah man auch, dass Dorian nun mit den heftigen Wehen nicht zurecht kam. Daraufhin wurde natürlich kurzerhand beschlossen sofort einzugreifen und sie per Kaiserschnitt zu holen. Zum einen lag Valerian, der führende Zwillinge ja in Beckenendlage, zum anderen wäre Dorian, wohl zu schwach gewesen für eine spontane Entbindung.

Ich bekam also prompt Wehenhemmer, durfte meinen Mann noch anrufen, der zum Glück von seiner Arbeit wegkam. Kaum war er da, wurde ich auch schon in den OP geführt. Eine PDA wurde gesetzt, das ging richtig flott, auch deren Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Von der OP selber bekam ich ja nicht viel mit, bis es irgendwann man hieß: Nun kommen die Kinder. Prompt gab es Gelächter im gefüllten OP; Valerian kam zuerst, Popo voran, er hielt sich mit beiden Händen an der Nabelschnur fest und wollte nicht raus aus seiner kuscheligen Behausung. Kaum hatten die Ärzte seinen kleinen Fäuste von der Nabelschnur befreit, schnappte er sich die Klammer des Arztes um seinen Unmut zu äußern. Dorian, eine Minute später, wurde Daumen lutschend geholt, Kopf voran, er nörgelte richtig, auch ihm war das ganze Theater nicht ganz recht.

Sie wurden zunächst ein Zimmer weiter vom Kinderarzt erstversorgt, mein Mann sah die beiden also vor mir, worüber ich mich unter diesen Umständen freute. Dann kamen sie zu mir, zunächst Valerian, mit weiten offenen Augen, gerunzelter Stirn und offenem Goscherl.  Danach Dorian, schlafend und sichtlich erschöpft. Einfach hinreißend. Einen Moment später waren sie schon auf dem Weg ins Kinderzimmer. Rund eine halbe Stunde später kam ich aus dem OP und wurde in einen Kreissaal für die Nachversorgung gebracht. Vom Kinderarzt erfuhren wir, dass beide wohlauf sind, wenn auch Dorian sichtlich geschwächt war. Sein Teil der Plazenta war vollends ausgeschöpft und leer, seit Tagen schon war er wohl nicht mehr versorgt worden. Beide lagen im Inkubator und bekamen Sauerstoff hinein geblasen.

6 Stunden später durfte ich sie auch kurz wieder sehen. Meine Hebamme war so nett und schob mich kurzerhand samt meinem Bett ins Kinderzimmer, zwischen die beiden Inkubatoren. Um 5 Uhr früh wurde ich dann auf mein Zimmer gebracht, wo ich eigentlich kein Auge zu bekam und die Geschehnisse des Tages erst ein Mal aufarbeitete. Um 8 Uhr morgens erfuhr ich dann, dass Dorian auf die Neonantologie gebracht worden war, da man sich dort besser um ihn und seine Bedürfnisse kümmern konnte. Ich sorgte mich natürlich erst einmal, war aber leider ans Bett gefesselt und konnte noch nicht aufstehen. Mittags nahm ich dann aber alle meine Kräfte zusammen und trotzte den heftigen Schmerzen um wenigstens Valerian im Kinderzimmer besuchen zu können. Er lag friedlich im Inku, schlummerte vor sich hin, zog im Schlaf Grimassen und war sichtlich rund um zufrieden mit der Wärme und seiner Umgebung. Nachmittags führte mich mein Mann dann auf die Neo hinunter, wo wir auch unseren kleinen Schatz wieder sehen konnten. Dorian war verkabelt und an Monitoren angeschlossen, eine Infusion war gelegt worden und eine Magensonde hatte er bekommen. Kein schöner Anblick für frischgebackene Eltern. Aber schnell wird klar, dass es ihm bestens geht, und dass es auf der Station viel viel schlimmere Fälle gibt als ihn.

 

 
Geburtsbericht von Betty Hartl
 
 
 
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