Ich falle gleich mit der Türe ins Haus. Johannes ist jetzt fast 15 Monate alt, trinkt immer noch sehr gerne am Busen, er wurde auch 13 Monate voll gestillt. Er ist ein Tragetuchkind und er liegt heute noch bei mir im Bett. Ich werde Johannes entscheiden lassen wie lange er am Busen trinken will, wie lange er in meinem Bett schlafen will und noch vieles mehr lasse ich ihn entscheiden. Seine Bedürfnisse sollen alle erfüllt werden.
Bevor Johannes sich ankündigte hatte ich 2 Fehlgeburten. Umso glücklicher waren wir, als die 15. SSW vorbei und alles OK war. Ich bin auch gleich in Frühkarenz gewesen und genoss jede Sekunde.
In der 32. SSW dann der Schock – ein Blasensprung. Mein Mann war gerade auswärts gewesen und ich stand alleine im Wohnzimmer verdrängte für ca. 30 Minuten, dass es sich hierbei wirklich um einen Blasensprung handeln könnte. Dann siegte die Vernunft und hielt eine kurze Rücksprache mit der Frauenklinik, die mir gesagt hatte, ich solle unverzüglich die Sachen packen und das Krankenhaus aufsuchen. Der Schock war riesig, mir wurde immer mehr klar, dass ich jetzt aus dieser Wohnung gehe und mit einem Baby heimkommen werde. Psychisch war ich noch überhaupt nicht bereit dazu. Ich konnte niemanden erreichen mit dem ich diese Situation teilen bzw. der mich in die Klinik begleiten konnte. Zu guter Letzt fuhr mich mein Onkel ins Krankenhaus. Die Rettung ist mir überhaupt nicht eingefallen.
Da lag ich nun im Krankenhaus, mein Kopf war leer. Ich wusste nicht wie ich handeln sollte. Gottseidank ist mein Mann nach ein paar Stunden ins Krankenhaus nachgekommen. Ich hatte mich noch nie mit einer Frühgeburt auseinandergesetzt (wer tut das auch schon!!!). Wir vertrauten den Ärzten und nahmen den Wehenhemmer in Kauf. Nach einer Woche Wehenhemmer, Antibiotika und psychischer Anspannung wurden mir die Wehen eingeleitet. Nach 12 Stunden der 2. Versuch und nach 24 Stunden der 3. Versuch. Bei der 3. Weheneinleitung hatte ich 3 Stunden einen Wehensturm. Wir entschieden uns dann für einen Kaiserschnitt, obwohl ich nie einen wollte. Der Narkosearzt war bei mir und klärte mich über alles auf, ich unterschrieb irgendwie und dann meinte der Narkosearzt, dass er noch eine Patientin hätte und dann würde er zu mir kommen. Er sollte nicht mehr kommen, denn mein Sohn Johannes erblickte auf natürlichem Wege das Licht der Welt. In der 33. SSW, Gewicht 2120 und Größe 47cm. Johannes war so gut entwickelt, dass er nur an einen kleinen Monitor angehängt wurde und er 24 Stunden bei mir sein konnte.
Am Zimmer angekommen kam unsere nächste Hürde und zwar, dass er nicht beim Busen trinken konnte, er war einfach zu schwach, bzw. war das Personal zu schwach, weil mir keiner weiterhelfen konnte. Ich beschloss, sobald wir daheim sind, werde ich mich an eine Hebamme/Stillberaterin wenden, die Hausbesuche bei mir machen soll. Nach dem 3. Tag hätten wir das Krankenhaus verlassen können, doch es stellte sich kurz vor dem Verlassen raus, dass Johannes Gelbsucht hatte. Ich konnte nicht mehr. Noch nie in meinem Leben war ich annähernd an einem Nervenzusammenbruch, doch in diesem Moment hatte ich einen. Ich kann mich an wenig erinnern, doch den Schmerz im Herzen fühle ich heute noch. Mein Mann stand mir immer tapfer zur Seite. Doch uns waren einfach die Hände gebunden. Johannes wurde 24 Stunden durchgehend bestrahlt und dann noch weitere 24 Stunden alle 4 Stunden. Nebenbei pumpte ich die Milch ab, ein Hoffnungsschimmer? Er trank die Milch aus der Flasche, das war alles sehr zeitaufwändig und ich wollte so gerne stillen.
Endlich wurden wir entlassen! Daheim angekommen machte ich mir gleich einen Termin aus mit einer Hebamme. Sie kam nächsten Tag. Die Strapazen unserer letzten Tage sah man uns an. Die Hebamme gab uns Mut, Stärke und Kraft! Sie zeigte mir das Stillen und es klappte auf Anhieb. Johannes trank ab diesem Zeitpunkt nur mehr am Busen und die Flascherl brauchten wir nie mehr, juhu.
Ab dem Zeitpunkt, als die Hebamme in unser Leben getreten ist hat sich alles zum Positiven verändert. Sie stärkte mich, nur auf mein Gefühl zu hören und das tat bzw. tue ich. Ich gehe regelmäßig zur Stillrunde und jetzt besuche ich eine Stillrunde für Kinder über 12 Monate. Das Tragetuch genossen und genießen wir beide sehr. Ich bin meiner Hebammer so sehr dankbar. In der schwierigsten Zeit meines Lebens hatte nur sie die richtigen Worte für mich. Sie ist heute immer noch mit Rat und Tat jederzeit für uns da. Und eines weiß ich ganz genau, bei der nächsten Entbindung – die übrigens Ambulant sein wird – will ich meinen Mann und diese Hebamme dabei haben. Mit sonst keinem möchte ich diese Momente teilen.
Herzlichen Dank für diesen berührenden Geburts- und Stillbericht von Carmen
|