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Lavinia

 

Vorgeschichte: Am Freitag, dem 25.2.05 hatte ich noch FA-Termin, und da war alles ok.

Dienstags darauf, am 01.03.05. plötzlich nicht mehr. Kind ist seit gut 14 Tagen nicht mehr gewachsen und die Plazenta zeigt deutliche Reifezeichen. Sollte am nächsten Tag zum Wehenbelastungstest, aber irgendwie wollte ich nicht. Alle bisherigen CTG´s (also 2 pro Woche) waren immer alle ok, und ich war der Meinung, wenn mit dem Kind was nicht passt, kommt es von selbst.

Wäre da nicht der Samstag zuvor gewesen. Ich hatte über Stunden heftige Wehen, plötzlich Stillstand. Mir kam es schon so komisch vor, dachte mir, da stimmt was nicht.

Gut, so tanzte ich am Mittwoch, dem 02.03.05 zum Wehenbelastungstest auf. Zuerst bekam ich 4 Tropfen pro Minute und nach 2,5 h noch immer keine Wehen. Irgendwie hatte ich so eine Aversion, mein Kind viel zu früh da heraus zu lassen, daß das Mittel nicht griff. Tags zuvor bekam ich Prostaglandin, und auch dieses wirkte nicht bei mir. Ich schluckte am Abend Rizinusöl, super Wehen, aber keine Geburtswehen. Und da nun auch der Wehentropf (Oxytocin) nichts half, beschloss meine Hebamme, eine Blasensprengung zu machen.

Ich hatte Angst vor diesem Gedanken, Angst, wie sich mein Baby dann wohl fühlen würde. Oder daß ich gar keine Wehen bekäme, und mir ein Kaiserschnitt bevorstünde. Da ich aber bei unserem Grossen so schöne, kräftige Wehen hatte, beschloss ich, mich nicht mehr länger dagegen zu wehren, und brav mitzuarbeiten. Das war jetzt meine Arbeit: ich musste unserem Baby auf die Welt helfen.

Blase gesprengt, um 12.00 h mittags. Das warme Wasser ronn meine Beine hinunter, kurz darauf die erste Wehe. *aua*. Plötzlich kamen diese im 5 Min. Takt, waren aber gut zu veratmen. Ich entschloss mich, wieder in die Wanne gehen zu wollen.

Dort angekommen, es war jetzt ca. halb ein Uhr mittags, waren sie besser auszuhalten, jedoch um einiges heftiger. Bei jeder Wehe zog ich mich am Seil hoch. Ich beschloss, in spätestens einer Stunde sei Schluss mit den grauslichen Eröffnungswehen. Hebamme meinte noch, naja, sie weiß nicht, ob sich das ausginge. Aber ich hatte das Gefühl, spätestens um 14.00 h muß unsere Tochter da sein, sonst zerreissts mich. Ich weiß ja noch zu gut, wie sich heftige Geburtswehen anfühlten.

Um 12. 45 h fragte ich, wie weit der Muttermund offen sei. Hebamme schaute nach und dehnte ihn zugleich, er war erst bei 5 cm. Irgendwie war das wie der Holzhammer auf den Kopf. Ich halte es doch schon so schlecht aus! Es fühlt sich an, als würde mir jemand meine ganzen inneren Organe auf einmal herausreissen.

Punkt 13.00 h - ich beschloss, ich mag nimmer. Ich will eine PDA haben, ich will auch einmal keine Schmerzen haben, wenigstens bis zur Pressphase. Ich wollte zwar nie eine PDA haben, aber ich konnte nimmer. Ich hatte förmlich das Gefühl, mein Baby wird aus mir herausgerissen.
Gut, Hebamme meinte "wenn du es so willst" (sie wusste genau, daß ich es normalerweise NIE wollte!), und rief den Narkosearzt an. Jedoch hat mir das Schicksal einen Streich gespielt. Just in dem Moment war keiner verfügbar, da es nur 2 gab, und es waren gerade 2 Operationen im Gange. Also musste ich es wohl durchstehen. Irgendwie. Ich öffnete bei jede Wehe den Mund ganz weit und begann mitzusingen. So war es auszuhalten. Und dachte mir noch, wie ich mich öffne.

15 min. später, also 13.15 h, ich hatte das Gefühl, pressen zu müssen. Hebamme meinte noch, sie wolle eigentlich nicht so oft nachschauen, da es ja für mich auch unangenehm wäre, und die letzte Untersuchung sei erst ein paar Minuten her, und da waren wir erst bei 5 cm. Aber wenn ich möchte, dann schaue sie, ob der Muttermund Rand schon weg sei.
Ich stimmte dem zu. Tja, soweit sollte sie aber nicht mehr kommen, denn ungefähr 5 cm hinter meinem Scheideneingang war schon das Köpfchen Somit hätte ich sogar die Übergangswehen schon geschafft

Auf einmal dieser enorme Druck... Kannte ich vom Grossen gar nicht. Ich dachte, mich zerreist es. Aber ich konnte nicht anders, als ganz fest mitpressen. Michi war mit in der Wanne, ich stütze mich an seinen Knien ab und hing so in der Hocke im Wasser. Jeden Millimeter spürte ich. Ich dachte echt, mein Becken würde explodieren.

Am Schlimmsten war es, als der Kopf kurz vorm Damm stand. Verstand ich gar nicht, da mir ja ein kleines Kind prophezeit wurde und ich mit dem Epi-No eh auf 31 Zentimeter Umfang kam. Über diese "Schwelle" hinauspressen kostete mich enorm viel Überwindung. Aber da! Der Kopf ist da!

Ich spürte schon wieder, wie da ein Kind zwischen meinen Beinen hing, und den Kopf hin und herdrehte. Wieder dieses furchtbare Gefühl!

Dann - die nächste Wehe. Die Schultern. Sie gingen fast noch schwerer als der Kopf. Endlich war Lavinia da!
2.710 g, 47 cm kurz und 33 cm Kopfumfang. Aber die Nabelschnur hatte sie um den Hals, stellte aber kein Problem dar. Noch nie in meinem Leben hatte ich so ein kleines Kind gesehen!

Und auch die Plazenta musste ich dieses Mal unter enormer Anstrengung gebären. Als sie herauskam, war sie sogar zerissen.

Trotz allem empfand ich dieses Ereignis als schön und bereichernd. Schön, weil ich unserer Tochter trotz allem eine sanfte Geburt ermöglichen konnte. Und bereichernd, weil es mich sehr viel Überwindung kostete "loszulassen". Grund war wohl wieder die übermäßig dicke Eihaut, wie schon bei Elijah.

Schöne Wehen, aber die Blase platzt einfach nicht. Somit nicht genügend Druck nach unten, daß der Muttermund sich nicht weiter öffnet.

Meine Erfahrung jetzt zeigt mir aber, daß Spontangeburten (wenn auch durch Rizinusöl) viel angenehmer sind. Elijah war reif, ich war die ganze Geburt über in einem Trancezustand, und bekam die Geburtsdauer nicht mit. Die Pressphase tat nicht so weh, der Körper und die Plazenta glitten einfach so aus mir heraus.
Im Gegensatz zu seiner Schwester. Ich fühle förmlich, wie mein Körper vergewaltigt wurde. Wie es Wochen zu früh war. Diese Unfreiwilligkeit. Und immer im Hintergedanken, wie es meinem Baby wohl geht ... Und das Adrenalin hat mir gefehlt. Jede Minute kam mir wirklich wie eine Minute vor, so daß es die Geburt insgesamt für mich viel länger dauern ließ.

Aber schlimmer als die Geburt selbst, waren die Nachwehen. Sie waren in der Nacht NICHT mehr zu ertragen. Schlimmer als die Geburtswehen weil der Wehenhöhepunkt 10-12 min. dauerte. Hab vor Schmerzen sogar mein Bett vollgekotzt. Meine Beine versagten, ich konnte mich den ersten Tag nicht zu 100% um meine Tochter kümmern, das tat am meisten weh. Gott sei Dank nahm mir Michi diese "Arbeit" ab und blieb die Nacht über bei mir, ich hab geglaubt ich muß sterben. Arzt und Schwester meinten, sie hätten so einen Fall wie mich noch nie erlebt. Ich bin halb umgefallen bei den Nachwehen. Jedes Mal, wenn Lavinia trank.

Ich bin wohl in jederlei Hinsicht ein medizinisches "Wunder". Zuerst greifen die Wehenmittel nicht, dann hab ich wieder eine wunderschöne Blitzgeburt, dafür reissts mich bei den Nachwehen nieder. So hat halt jeder seinen Pinkel zu tragen...

PS: Ich hätte nie geglaubt, daß ich sie von der ersten Sekunde an so lieb haben könnte, wie ich Elijah jetzt schon habe. Und doch wurde ich eines besseren belehrt

 

 

 
Herzlichen Dank für diesen bewegenden Geburtsbericht von Anja
 
 
 
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