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Zwick, zwack ... Lukas!

 

Nach neun Monaten einer sehr glücklichen Schwangerschaft fieberten mein Mann und ich nun schon dem Ende entgegen. In einer Zeit, in der es noch kaum Handys gab, wollten wir es schaffen, trotz meines Mannes Dienst „im Feld“ unser SophieLukas gemeinsam zu bekommen. Ich selbst fühlte mich bereit, neugierig, aber gelassen, wie vor einer Prüfung, auf die man sich gut vorbereitet hat. Und ich hatte mich gut vorbereitet: viel gelesen, brav geturnt, aber vor allem viel geredet: mit vielen anderen Müttern, die mir die unterschiedlichsten Erfahrungen anvertraut hatten. Ich hatte das Gefühl, es mit jeder Eventualität aufnehmen zu können. Wenn es nur schon losginge …

Und es ging los: Am Morgen vor dem errechneten Geburtstermin setzten so merkwürdige Beschwerden ein. Wie Regelbauchweh, nur dass ich hochschwanger ja kaum Regelbeschwerden zu erwarten hätte. Nachmittags wurde das lästig, also stoppte ich brav ich die Zeit und stellte fest: das Zwicken kam in Abständen von 15 Minuten. Konnten das erste Wehen sein? Zur Sicherheit rief ich meine Mutter an, die vorbeikommen und mir beim Stoppen helfen sollte. Ich hatte mich nämlich stark im Verdacht, das Zwicken selbst zu beeinflussen und nach der Uhr zu steuern.

Aber auch meine Mutter bestätigte: Regelmäßiges Zwicken, in 13minütigen Abständen. Ich rief also meinen Arzt an, der riet mir zur Fahrt ins Rudolfinerhaus, ich piepte meinen Mann an und beorderte ihn ebendorthin. Meine Mutter fuhr mich und meine Reisetasche, und das war sehr aufregend. Ich legte mehr Wert auf Schnelligkeit (an einem Donnerstag Nachmittag in Wien!), sie auf Sicherheit (im Stoßverkehr!). Der Schleichweg zerrte an meinen und SophieLukas’ Nerven, aber nach fünf Viertelstunden vorsichtigen Fahrens und einer wilden Mischung aus echten Wehen und den schirchen Senkwehen, die langes Sitzen immer verursachten, waren wir da. Mein Mann wartete schon, wir verabschiedeten uns von meiner ergriffenen Mama und gemeinsam gingen wir auf die Entbindungsstation.

Freundlich wurden wir in Empfang genommen, im Wehenzimmer einquartiert, ich zog mich um und bekam das CTG um den Bauch geschnallt. Nach einer halben Stunde stand fest: das Baby schläft, keine Wehentätigkeit. Einfach aufgehört hatte das Zwicken und Zwacken, das im Auto noch so heftig gewesen war!

Warten, warten, warten, keine Wehen. Na gut, mein Mann fuhr heim, um sich ein wenig auszuruhen. Ich füllte die erforderlichen Papiere aus, las mich durch die „frischgebackene-Mutter“-Lektüre und legte mich dann auch hin. Zwick. Zwick, zwack. Die Hebamme bestätigte meinen Verdacht: Das waren Wehen, schöne, regelmäßige Wehen. Muttermund 1 cm. Na fein, dachte ich, piepte meinen Mann an, rief ihn an, keine Reaktion. Er schlief daheim fest und tief, während ich mich hier mit SophieLukas’ Gezwicke abplagen durfte. Na gut, ich fuhr eben alleine in meinem Plan fort: Badewanne.

Genüsslich (zwick, zwack) ließ ich das Wasser einlaufen, schnappte mein Buch, schälte mich aus CTG und Nachthemd und ließ mich in die Wanne rutschen. Zwei Zwickzwack später war ich auch schon wieder draußen – die Wanne war mir zu lang und zu schmal und die Wehen waren da drin gar nicht angenehm zu veratmen. Draußen (2 cm) rief ich wieder meinen Mann an – keine Antwort. Also zurück ins Wehenzimmer, umhergehen, wie ich’s gelernt habe. Zwick, zwack, Krimi lesen, zwick, der Mörder war zwack, zum Telefon, mein Mann war dran, schlaftrunken, und elf Minuten später war er da (hoffentlich hat ihn die Polizei nicht gesehen).

So ertrug ich das Zwicken und Zwacken besser. Wir spielten Karten, zwick, Würfel, zwack, Karten, zwick, tratschten, zwack, unterhielten uns mit SophieLukas, zwick zwack, zwick zwack, jetzt wurde es ernst. (5cm)

Die Wehen kamen nun in etwa fünfminütigen Abständen, es war irgendwann in der Nacht, und es tat allmählich ernsthaft WEH. Auf den Sitzball mit mir, der hatte mir in der Schwangerschaft beste Dienste geleistet. Und wieder runter, ich hatte das Gefühl, ich säße auf SophieLukas’ Kopf. Zwack. Mir tat der ganze Rücken weh. Mein Mann massierte, drückte, rieb und zog, aber an Sitzen war nicht mehr zu denken. Ich marschierte tapfer auf und ab, auch, um den Geburtsvorgang etwas zu beschleunigen (hoffte ich), und die Hebamme beschied uns bald 7 cm. Übersiedlung in das Kreißzimmer war angesagt, und ab dann wird alles etwas verschwommen. Die vielgepriesene Endorphinausschüttung hat wohl eingesetzt.

Der Arzt kam dann irgendwann, beschied, dass Rückenlage nun das Richtige sei, ich atmete, es schmerzte, die Hebamme wechselte, was eh wurscht war, weil mein Arzt nun den Geburtsvorgang „übernahm“. Ich hatte mir das ein bisschen anders vorgestellt gehabt … Aber damals gab ich halt nach. Die Kraft für irgend etwas anderes als das eigentliche Gebären fehlte mir in diesen Momenten. Die Wehen wurden stärker, anstrengender, ich atmete, bekam gegen meinen Willen eine Spritze (angeblich schmerzlindernd, was ich gar nicht wollte, hat aber eh nix gebracht), dann kam das Gefühl, ich kann nicht mehr . Am liebsten wäre mir gewesen, ich hätte aufhören und heimgehen können. Schluss mit all dem ZWICK ZWACK. Aber das war dann doch nicht drin ...

Auf einmal war der Befund 10 cm, aber noch nicht pressen, was kaum auszuhalten war. Aber ich presste brav nicht, und dann doch pressen, und dabei nicht atmen, was auch schwierig war, und nach drei Presswehen wusste ich, es ist fast geschafft, und dann schnitt mein Arzt mit der Schere während der nächsten Presswehe in meinen Damm (was ein SCHEUßLICHES Geräusch und ein ziemlich irritierendes Gefühl ist), und zwei Mal Pressen später war das Baby durchgerutscht.

Zunächst bekam es der Arzt, der die Nabelschnur durchschnitt, dann die Hebamme, dann der Kinderarzt, dann die Kinderschwester, und dann endlich ich. Die Zeit war mir endlos vorgekommen. Ein kurzer Blick, und wir wussten: es ist ein Lukas. Und ein ganz lieber! Kaum war er bei mir, hörte er auf zu schreien und ich durfte mit meinem Mann und ihm ausgiebig kuscheln. Allmählich stellte sich auch mein Verstand wieder ein, und zum Nachgeburt-Herausdrücken oder Dammschnitt-Nähen ließ ich ihn mir nicht mehr wegnehmen. UNSER Lukas begann, uns zu verändern, in dem Augenblick, als er um 08:50 das herbstliche Tageslicht seines Geburtstages erblickte.

Nachbemerkung:

Inzwischen hatte ich das Glück, noch mehr Kinder gebären zu dürfen – ganz auf meine Art, mit einem Arzt, der von sich selbst sagt, er sei bei einer Geburt am liebsten Statist. Ein bisschen sauer bin ich immer noch auf den Arzt von damals, der sich für meinen Geschmack zu sehr eingemischt hat, zu sehr seine Vorstellungen durchgesetzt hat. Vor allem den routinemäßigen, wahrscheinlich überflüssigen Dammschnitt verzeihe ich ihm nicht. Als Resümee nach bald zehn Jahren mit diesem Lukas muss ich aber zugeben, dass das Geburtserlebnis nicht supertoll aber trotz alledem ausreichend schön gewesen ist, um uns einen hervorragenden Start zu bieten. Und im Bild unseres Familienlebens ist der Tag inzwischen nur mehr ein kleines Steinchen.

 

Herzlichen Dank für diesen wundervollen Geburtsbericht von Katharina Heizinger

 
 
 
 
 
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