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Unverhofft kommt oft ...

 

Zur Info vorab: Eigentlich wollte ich ja unter Obhut einer Hebamme aus dem Geburtshaus Nußdorf-Team im Spital Klosterneuburg entbinden. Der Vorteil einer solchen Kombination ist, daß du zwar im Notfall das Spital "an der Hand" hast, ansonsten aber mit dem Spitalspersonal nicht in Berührung kommst und NUR von deiner Hebamme - und bei Bedarf einem der Nußdorf-GynäkologInnen - betreut wirst. Unliebsame Überraschungen mit dem diensthabenden Personal in der Klinik bleiben frau damit erspart.

Allein... soweit sollte es nicht kommen.
Am 21.4. so um drei Uhr morgens wachte ich mit Bauchziepen auf und dachte fürs erste an Montezumas Rache aufgrund meines Abendessens vom Vortag. Montezumas Rache war dann doch etwas daneben getippt, denn irgendwann fing das Bauchziepen an, Form anzunehmen - immer schön krampfartig von unten nach oben, um irgendwann später zu wieder formlosem dumpfem Bauchweh zu mutieren.
Naja... der Tag verging, ich starrte auf die Uhr und zählte die Sekunden, die so ein Bauchweh-Anfall jeweils dauerte und dachte immer, ne das isses doch noch nicht. Denn angeblich dauern die Wehen doch bis zu einer Minute, aber bestimmt keine 15 Sekunden?! Also vielleicht doch Montezumas Rache?! (Am Klo war ich schon reichlich)

Die Zeit hab ich mehr oder weniger leidend im Bett bzw. im Bad am Boden sitzend verbracht. Einigermaßen frustriert, weil ich keine Lage gefunden habe, in der ich die Bauchschmerzen irgendwie "verarbeiten" hätte können :-/ - Ich hatte nämlich fast mehr Krämpfe in den Oberschenkeln (was für ein Spaß, wenn du noch dazu Arschbackenweh hast vom Schwangerschaftsischias...) als im Bauch. Mit Herumgehen oder stehen war also Essig, weil es in den Beinen brannte wie Sau.

Um 2 uhr nachmittags hab ich mich dann nach ewig langem herum-überlegen (soll ich? nein ich mache doch nur alle kirre und dann ist es falscher Alarm... aber irgendwie glaube ich doch?...) doch durchgerungen und meinen Mann angerufen, damit er heimkommen und mir das Patschhändchen halten möge (schön langsam war der Frust recht groß und ich wollte bedauert werden, mich duschen und einfach nicht mehr alleine sein, schon gar nicht beim in-die-Wanne-steigen) und danach meine Hebamme. Auf meine schilderung hin meinte die, naja, das klingt aber noch nicht so richtig...? Aber sie kommt und schaut sich mich mal an.

Um 3 war also mein Mann da
und hat mich in die Wanne gesetzt zwecks "Waschung" (mir war ja so heiß und gestunken habe ich wie eine herde Iltisse), und um 4 war auch die Hebamme da. Die hat mal kurz gefühlt und festgestellt, daß der Muttermund 5 cm offen sei (selbst "besuchen" ist mir leider nicht gelungen, ich hätte auch gerne mal gefühlt, bloß... sind da wohl meine finger zu kurz :-D) und gemeint, also dann, fahren wir. Also - alles in der Hektik zusammen suchen, Tasche schnappen, mich in ein Gewand reinquälen... und dann litt ich mich die Stiegen runter und plötzlich kamen die Bauchweh-Anfälle alle halben Minuten, waren aber immer noch superschnell wieder weg.

Also reingezittert ins Auto und losgefahren, die Hebamme mit ihrer Karre hinterdrein. Rauf auf die Tangente in Altmannsdorf und ... in Inzersdorf (also die nächste Abfahrt) wieder runter, weil die Autobahn ab dort bummnageldicht war.

Im Verkehrsfunk
kam die Durchsage von 14 km Stau auf der Tangente und daß auch die Triester Straße verstopft sei und... na Freude. Wir fahren also retour Richtung Altmannsdorferstraße und disponieren während der Fahrt noch schlauerweise um auf den Göttlichen Heiland (das zweite Spital, mit dem die Nußdorfleute so eine Art Mietvertrag für die Gebärräume haben)...

Auf der Altmannsdorferstraße, keine fünf Minuten später, nimmt die Wehe plötzlich kein Ende wie bisher, sondern mir ziehts plötzlich den Bauch so komisch zamm, mich atmet's aus und es macht so einen komischen ruck im unterleib und ich denke "?!?!?!" Worauf wir nochmals umdisponieren und den Weg heimwärts einschlagen (keine Viertelstunde zu fahren).
1 km weiter wieder eine solche Wehe, mir ziehts den Bauch und die Lunge ein und ich ruf "Scheiße! Das Kind kommt ...!"
Noja...

Im Endeffekt haben wir uns keine 15 Gehminuten von zu Hause entfernt in eine Parklücke in Atzgersdorf gestopft, ich hing überm Beifahrersitz am Griff (der war dort wie fürs Gebären gemacht), die Hebamme zog an meiner Hose rum und mein Mann an meinen Schuhen und zwei Preßwehen später hatte ich tatsächlich ein Kind geboren - komplett in einem samt der Fruchtblase.

Quatsch-gurgel-gurgel hats gemacht, als der arme Wurm im Abendverkehr schlüpfte, und dann war Hektik. Die Hebamm' hat mir das Kind mangels besserer Ablage irgendwo hin geklatscht, das hat sofort zu brüllen begonnen [allerdings nur für ein paar Quäker mit dünnem Stimmchen] - kein Wunder bei dem Temperaturunterschied :-D, Mann und Hebamme jagten nach Decken und Handtüchern um die Autos herum und ich fühlte mich einfach nur ungemein erleichtert und fand das alles ungemein lustig. Weg die Wampe, weg das Bauchweh, weg der doch starke "Innendruck" zum Schluß... einfach herrlich :-D

So sind wir dann die letzten paar Meter heim gefahren, vor der Haustür habens das Kind abgenabelt, mein Mann ist mit dem kind rauf in die Wohnung und die Hebamm' mit mir (inzwischen notdürftig in einen Bademantel gewickelt, da ich ja untenrum komplett im Freien stand und just zu diesem Zeitpunkt massigst Leute zum Hunde-gassi gingen, mit etwas verschmiertem T-shirt an und nur in Socken) hinten nach.
Die Plazenta hab ich dann im Schlafzimmer auf den Boden geboren und nachher habens mich ins Bett gesetzt und schurlten da wegen Kind und Formalitäten und Plazenta und weiß-der-Geier-was-noch herum, während ich wie die, die das alles nix angeht, im Bett trohnte und dem lustigen Treiben zusah.

Soviel also dazu. Nix mit Klosterneuburg und dort-schlafen-und-ausruhen und nix mit "in der Sicherheit einer Klinik dennoch autonom ohne Herumgedoktere von Ärzten und frustrierten Spitalshebammen gebären".

Sollte ich jemals noch mal ein Kind kriegen, weiß ich jedenfalls, daß ich von vornherein zu Hause bleibe, anstatt eine Ehrenrunde im Abendverkehr zu drehen :-D. Und anstatt zum Auto gehe ich dann zwecks Wehenförderung halt in Begleitung spazieren ...

Witzig waren übrigens die Reaktionen derer, denen ich davon erzählt habe: Von "waas im Auto, na es war aber schon ein Arzt dabei?!" über "ihr seid aber nachher schon noch ins Spital gefahren???" (wozu bitte?!) bis zu "haben sie überhaupt einen Mutter-Kind-Pass???" (frug der Arzt bei der Hüftuntersuchung in dem Ton, in dem er auch "waren sie eigentlich schon jemals bei einem Arzt?" fragen hätte können) war schon alles dabei. Die einen "bewundern" dich, die anderen bewundern deinen Mann, weil er "das ganz alleine geschafft" hatte (!) und die dritten schütteln missbilligend den Kopf, denn es ist unverantwortlich, daß man überhaupt nicht im Spital war.

Ach ja, ganz froh darf ich auch noch erwähnen, daß ich nicht das kleinste Risserl, nicht einmal ein Schürferl davon getragen habe, worüber ich seeeehr froh bin :-).

Herzlichen Dank für diesen wundervollen Geburtsbericht von Margarete (April 2004)

 
 
 
 
 
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