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Geburt meiner Nr. 4, April 2003


07:25

Ich wache auf, weil mein Mann im Zimmer herum rumort. Nach einiger Zeit kommt der erste Gedanke – „heute wäre ja Entbindungstermin“. Ich schmunzele und mache die Augen wieder zu.

07:27

Ich mache die Augen wieder auf, weil ich mir entweder soeben in die Hose gemacht habe, oder in diesem Moment die Fruchtblase geplatzt ist. Na, da vermute ich lieber zweiteres, stopfe mir das dafür vorgesehene Handtuch unter den Popo und beobachte. Mann und Kinder verlassen die Wohnung in Richtung ihrer Arbeitsplätze.

07:40

Inzwischen gibt es gar keinen Zweifel mehr, dass ich Fruchtwasser verliere – wenn ich aufstehe, hört es auf, wenn ich mich niederlege, plätschert es wieder. Also rufe ich meinen Mann an, damit er nach dem Kinder-Verteilen wieder herkommt, und meinen Arzt, damit er sich auf einen intensiven Arbeitstag einstellt.

09:00

Wir treffen im Rudolfinerhaus ein. Die Hebamme und das CTG bestätigen bald, was ich eh schon weiß: Die Fruchtblase ist geplatzt, und ich habe keine Wehen. Also richten wir uns im Kreißsaal 4 – das ist der große, rote - gemütlich ein und plaudern über Entbindungstermine, Kinder, Großfamilien und was sich sonst noch für Themen an einem Tag wie diesem ergeben.

12:30

Während wir zu Mittag essen, kommt Dr. Reh vorbei. Ich habe immer noch keine Wehen und sehe keine Veranlassung, künstlich Wehen zu produzieren – er auch nicht. Wir vereinbaren also, dass einfach weiter gewartet wird.

Das Bauch-Photo haben wir noch gar nicht gemacht – das erledigen wir jetzt. Sicherheitshalber machen wir auch vom Bauch meines Mannes ein Photo.

Hebamme Christina wird uns ab jetzt betreuen. Wir haben aber keinerlei Bedürfnisse, außer, dass ein paar Wehen sehr willkommen wären ... Aber ein bisschen Plaudern tröstet auch über die Warterei hinweg, die langweilig zu werden beginnt.

17:30

Die erste Wehe. Es scheint also, als ginge es von selbst los. Die Hebamme fragt, ob ich einen Einlauf möchte, aber nachdem jetzt ohnehin die Wehen anfangen, will ich das lieber nicht.

18:05

Die zweite Wehe. Das geht aber zäh. Hebamme Christina verabschiedet sich, Hebamme Johanna „übernimmt“ uns.

18:30

Dr. Reh kommt wieder her. Die fünfte Wehe findet gerade statt. Noch sind sie leicht und unregelmäßig. Aber wir werden der Natur einfach ihren Lauf lassen und abwarten, was dabei herauskommt. Inzwischen rufen wir einmal daheim an, wo meine Eltern inzwischen die drei Großen betreuen. Die beiden großen Großen wollten ja mit meiner Mutter herkommen und an der Geburt ihres jüngsten Geschwisters teilhaben. Na ja, im Moment ist ihnen das Abendessen wichtiger, und von mir gibt es ja auch noch keine vernünftige Prognose.

19:30

Jetzt geht’s ernsthaft los. Die Wehen sind nicht regelmäßig, aber sehr häufig – und sehr schmerzhaft und anstrengend. Und jede Wehe ist anders, dauert länger oder kürzer, ist mehr oder weniger intensiv. Vom letzten Mal habe ich das anders in Erinnerung ... da hat sich das eher allmählich, fast schon berechenbar gesteigert ... Mein Mann bekommt den Auftrag, mir bei jeder Wehe irgendwo an meinem Körper einen Fixpunkt zu bieten, auf den ich mich konzentrieren, an den ich hin atmen kann. Ab sofort. Bis das Baby da ist.

Herrje, das tut weh. Gebären ist nicht wirklich lustig.

Wir fragen zu Hause an, ob noch jemand kommen will. Der Große will, die Nr. 2 möchte vielleicht doch lieber nicht, dir Nr. 3 wird nicht gefragt, sondern ins Bett gesteckt.

19:35

Die Nr. 1 ruft an, er kommt lieber doch nicht, weil er so müde ist. Wir werden den Verdacht nicht los, dass weniger er als vielmehr meine Eltern hinter dieser „vernünftigen Entscheidung“ stecken ...

Ich lege mich jetzt wieder auf die Seite, wünsche mir einen Polster zwischen die Knie, bekomme ihn auch, und veratme Wehe für Wehe, so entspannt das eben geht. Blöde Wehen!

19:45

Auweh.

19:55

Die Nr. 1 ruft an, er weiß jetzt, was er will, und kommt mit meiner Mutter her. Wir mögen doch bitte mit den Wehen auf ihn warten ... „Musst Du schon weinen, Mama, weil es weh tut?“ Nein, noch nicht, aber es wäre eine Idee ... Aua!!!

Inzwischen haben die Wehen auch meinen Rücken an sich gerissen, es tut nicht nur im Bauch weh, sondern im ganzen Kreuzbereich. Von jetzt an kommt die Hebamme kaum mehr dazu, etwas anderes zu tun, als mir den Rücken zu streicheln, zu massieren, zu klopfen, ...

20:15

Jetzt wird einmal der Zwischenstand festgestellt: der Muttermund ist gute 5 cm weit offen, es wird also nicht mehr sooooo lange dauern. Die Wehen sind effizient und nach wie vor schmerzhaft (hatte ich etwas anderes erwartet?). Aus unerfindlichen Gründen muss ich jedes Mal meine Nasenwurzel festhalten, wenn es wieder losgeht.

Gebären ist scheußlich.

20:30

Jetzt reicht es mir langsam. Ich sage das auch und bekomme Bach-Blüten, die mir darüber hinweghelfen. Dabei muss die „ganz große Wehe“ ja noch kommen, die ich bei allen anderen Geburten hatte. Ein bisschen graut mir schon davor – ein Mal kam immer eine Wehe, die mich einfach „überrollte“, die ich nicht veratmen konnte, bei der mir furchtbar übel wurde – und dann war es immer bald vorbei. Wann ist es denn endlich soweit??? Wieso habe ich mich nur darauf eingelassen?????

20:55

Es fehlt noch 1 cm. Und der will nicht aufgehen. Ich darf aber probieren, bei den Wehen mitzupressen. Daher richte ich mich auf – das war immer „meine“ Gebärposition. Dieses Mal ist das wohl nicht so gut – es tut mir das Kreuz so weh, dass ich nichts veratmen kann, nicht gescheit mitdrücken kann, der Versuch ist misslungen, ich rolle mich schnaufend und jammernd wieder zurück auf die Seite. So ist es besser.

Mein Mann bekommt jetzt zusätzlich zum Trösten, Zureden, Hand halten, ... die Aufgabe, mir beim Einrollen zu helfen – irgendwie will mein Körper ein Hohlkreuz machen, da presst es sich aber besonders schlecht. Aber mit seiner Hilfe ist es leichter.

Arzt und Hebamme sprechen mir Mut zu, füttern mich mit positiver Stimmung, loben meine Anstrengungen. Das gibt mir auch noch Kraft, und die brauche ich ganz dringend.

Also weiter auf diesem Weg ... ICH HASSE DAS!

21:05

Die Nr. 1 kommt mit der Großmama, er freut sich, dass das Baby noch nicht da ist. Ich freue mich weniger. Aber ich freue mich darüber, dass sie es noch rechtzeitig geschafft haben, und wir schicken sie zum Jacke-Ausziehen und Hände-Waschen wieder hinaus.

Als ob sie darauf nur gewartet hätte kommt jetzt wieder eine von den ganz, ganz argen Wehen - und siehe da, der letzte Zentimeter ist auf einmal auch geschafft.

21:11

Hurra! Freie Bahn! Mit der nächsten Wehe spüre ich, wie – endlich! – der Kopf des Babys in den Geburtskanal geschoben wird, ich presse mit, der halbe Kopf ist geschafft. Die Wehe ist, glaube ich, aus, aber mir reicht es jetzt! Wenn ich nicht weiterdrücke, rutscht er vielleicht wieder zurück?!? Luft holen, pressen – der Kopf ist durch. Luft holen, pressen – die Schultern. Luft holen, pressen – raus mit dem Rest.

21:12

Das Baby ist da und kommt auf meinen Bauch, die Nr. 1 und meine Mutter kommen dazu, mein Mann – meine absolute Lieblingshebamme – ist ohnehin da, und wir alle bewundern den Neugeborenen, der sich das ganz friedlich und neugierig gefallen lässt, und die vielen Streicheleinheiten sehr zu würdigen weiß.

Später

Die Nachgeburt muss hinausgedrückt werden – na gut, von mir aus. Der Nr. 1 gefällt sie nicht besonders. Aber sie ist vollständig, ohne irgendwelche Besonderheiten. Das reicht mir völlig.

Arzt und Hebamme schauen mich noch einmal an – keinerlei Verletzungen; das Baby wird gestillt, später dann von Schleim und Blut befreit, untersucht, photographiert, für gesund befunden und angezogen. Ich darf aufstehen, mich duschen und anziehen.

Um Mitternacht fahren wir dann nach Hause – überglücklich über den gesamten Geburtsverlauf, über das neue Familienmitglied, darüber, dass es absolut keine Komplikationen gegeben hat, keine irgendwie gearteten Eingriffe nötig waren, alles so wunderbar abgelaufen ist.

Gebären ist schön – hab ich jemals etwas anderes behauptet???

 

Geburtsbericht von Ing. Katharina Heizinger

 

 
Geburtsbericht von Tanja Lerchbaumer
 
 
 
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