Ein Traum erfüllt sich: Ambulant im Geburtshaus Nussdorf
Seit der 32. SSW nervten uns fast tägliche Vorwehen, die dann doch immer wieder dem warmen Lavendelbad nicht standhielten und sich jeden Tag aufs Neue als Fehlalarm entlarven ließen. Mit der Zeit waren wir - trotz aller ungeduldiger Vorfreude - einfach nicht mehr bereit, uns täglich neu in ein "vielleicht aber heute ..." hineinzusteigern und beschlossen künftig völlig cool zu bleiben. Schließlich hatte unser *Lichtlein* ja auch noch jede Menge Zeit ...
Wen wundert's also, dass wir ganz entspannt beschlossen, am 24. Juli unseren dritten Hochzeitstag traditionell mit einem romantischen Essen bei "unserem" Italiener zu feiern. Ich hatte mich nachmittags etwas hingelegt, um für den schönen Abend fit zu sein. Als ich aber aufstand, um den wunderschönen Rosenstrauß meines lieben Seelenmenschens und Ehemanns einzuwässern, stand ich plötzlich selbst in einer Pfütze. Fruchtwasser!
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Es geht los ... oder?
Um 16.00 Uhr trafen wir unsere Hebamme Beate im Geburtshaus Nussdorf, um festzustellen, wie ernst die Lage heute nun wirklich war. Das Köpfchen unserer Tochter dichtete bereits ab und da - natürlich just heute! - kaum ernst zu nehmende Wehentätigkeit zu verzeichnen war, schickte uns Beate, mit Wehencocktail-Rezept und wehenfördernden Globuli wieder heim.
Sollten sich bis morgen früh keine Wehen einstellen, wurden wir um 07.30 Uhr wieder im Geburtshaus erwartet. Das gefürchtete
Prostaglandinzäpfchen (zum künstlichen Einleiten der Geburt) schwebte ab sofort als Damoklesschwert über meinem Kopf. Denn
"eingeleitete Wehen* hatten schon die Geburt meines Sohnes vor vielen Jahren zu einem traumatischen Erlebnis werden lassen.
Natürlich war von unserem geplanten gemütlichen Abend beim Italiener keine Rede mehr und so tauschten wir Muscheln & more gegen eine stärkende Kohlehydratportion Spaghetti in der Korneuburger Pizzeria (Anm.: ich glaube, hier hat Laurie das erste Mal hämisch gegrinst *lol*).
Erst gegen Mitternacht stellten sich langsam erste Wehen ein. Anfangs in 10-5min- Abständen und noch relativ schwach, um 03.00 früh blieben mir schon nur mehr lächerliche 3 Minuten zur Erholung zwischen den auch schon heftigen Wehen (dachte ich jedenfalls).
Der Bald-Papi hatte sich zum Kräftesammeln noch ein wenig hingelegt und so veratmete ich die mitternächtlichen Wehen gemeinsam mit meinem Grossen vor dem Fernseher (was mir Stefan Raab und TV-total wohl lebenslänglich unvergesslich macht!).
Da mir während der Schwangerschaft immer wieder versichert wurde, dass die zweite Geburt viel schneller vorangeht (was man einer Frau, deren erste Geburt 18 Jahre ! zurückliegt nicht erzählen sollte!) , machten wir uns um 04.00 früh endgültig auf den Weg ins Geburtshaus. Philipp, der mich bis dahin so lieb unterstützt hatte, entschloss sich ganz spontan uns nun doch gleich begleiten.
Um 04.30 untersuchte mich Beate in Nussdorf erstmals. Das enttäuschende Ergebnis lautet: Muttermund ist 4 - 5cm geöffnet. Ich hatte insgeheim mit 9 gerechnet und versuchte, meine Enttäuschung in Vorfreude auf die Nussdorfer Badewanne umzuwandeln.
Das warme Wasser war herrlich entspannend in den Wehenpausen. So viel Entspannung tut dem Geburtsverlauf nicht so gut, Beate rät zum Spazierengehen. Also wieder rausgehievt aus der Wanne *seufz*.
Philipp schlief zwischenzeitlich eine Runde auf den gemütlichen Korbstühlen im Wintergarten vor unserem Geburtszimmer und mein lieber Mann ging mit mir im wunderschönen morgengrauen Garten spazieren, um die Wehen weiter anzuregen.
Um 06.30 zeigte eine weitere Untersuchung, dass der Muttermund jetzt 6-7cm eröffnet ist. Meine wachsende Enttäuschung ließ sich schon schwer verbergen. Ich war ziemlich frustriert - mit der angekündigten schnellen Geburt scheint es ja wohl nichts zu werden ...
Ich war lästig und durfte deshalb doch noch einmal in die Wanne. Hier konnte ich besser entspannen und während der Wehen klammerte ich mich an das Stoffseil über mir, was hilfreich ist, die Kraft besser zu übertragen. Beate schickte meinen erschöpften Mann ein wenig spazieren, half mir, in den Wehen die Energie zum Kind zu atmen und spendete mir in den Pausen mentale Kraft. Sie massierte mir das Kreuzbein und flößte mir immer wieder Wasser ein. Auch beim Gebären ist viel trinken also wichtig ;-))
Längst fühlte ich mich an den Grenzen meiner Kraft angelangt und sehr erschöpft. In den winzigen Wehenpausen schlummerte ich regelrecht weg, was meiner Hebamme allerdings doch etwas zu viel Entspannung war. So stark waren meine Wehen nämlich leider sowieso nicht.
Also, wieder raus aus der Badewanne .... :-((

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Kein Ende in Sicht ...
Um 09.00 waren die Herztöne unserer Tochter immer noch wunderbar und der Muttermund endlich 9cm offen. Allerdings bildete er einen höchste unerwünschten Saum, der es unserem Baby erschwerte, zu passieren. Außerdem war ihr Köpfchen auch noch nicht tief genug in den Geburtskanal gerutscht. Beate massierte während der Wehen den Muttermund, mixte mir einen weiteren homöopathischen Drink und schickte uns noch einmal in den Garten zum Spazierengehen *keuch*.
Diesmal fand ich das Gehen, das ohnehin mehr ein Schleichen und Schleppen war, aber gar nicht mehr lustig. Ich konzentrierte mich während der Wehen folgsam auf ein positiv offenen "Aaaaaahh", das dem Muttermund helfen soll, sich zu öffnen. Diese Stunde erschien mir endlos und die Schmerzen wurden langsam unerträglich. Mein Mann spach mir zwar unaufhörlich Mut zu und tröstete mich. Langsam verlor ich nämlich meine feste Überzeugung zur natürlichen Geburt ...
Gegen 10.30 bearbeitete mich Beate mit einer Mischung aus Zilgrei, Shiatsu und Akupunktur. Wenngleich dies eine äußerst schmerzhafte Tortour war, half es unserer Kleinen doch, endlich das nötige Stückchen mit dem Kopf tiefer zu rutschen.
Kurz vor halb zwölf steckte Philipp seinen Kopf zur Tür herein um sich zu erkundigen, wie lange es noch dauern würde. Gerade rechtzeitig - denn seine kleine Schwester erblickte um 11.32 Uhr das Licht der Welt. Leise niest unser kleines blaues Bündel Mensch und blickt ganz neugierig in die Welt - unsere Tochter ist da!
Wenig später kuscheln wir uns alle gemeinsam in das große gemütliche Bett und bestaunen unsere Kleine gebührend!
Nach einer ausgiebigen Dusche, den Untersuchungen vom Gynäkologen und Kinderarzt und einem Glas Sekt mit den Hebammen zur Feier des Tages, verlassen wir dann schließlich um 16.30 Uhr - mit ein wenig Wehmut und viel Dankbarkeit im Herzen - das wunderschöne Geburtshaus Nussdorf und gehen durch das große Tor mit unserer kleinen Tochter in ein neues Leben hinaus ....
Geburtsbericht von Lilly Dippold |