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Leon , geb. 2000
Maja, geb. 1998


(Fast) Eine ganz normale Geburt.

Wir spielten Karten. 3 Männer und ich. Mittendrin fingen die Wehen an. Zwischen den einzelnen Spielen stand ich auf, lockerte mein Becken, atmete ein paar Mal tief durch – und spielte weiter. Die Männer nahmen mich nicht ernst, Wehen sähen anders aus.

Mein Mann trank einiges an Bier. Um 1.00 gingen wir schlafen. Um 3.00 weckte ich ihn auf. Seine erste Frage: „Was ist denn los?“ Doch er wurde schnell munter. Ich atmete brav, es war noch erträglich. Um 4.00 riefen wir die Hebamme an. Die hörte sich eine Wehe an und meinte ja, wir können jetzt langsam losfahren. Auf dem Weg ins Geburtshaus Nussdorf – das Sitzen im Auto war bereits eine ziemliche Qual – stellte mein Mann fest, dass wir noch tanken müssen. (3 Tage nach dem geplanten Geburtstermin ist ein leer gefahrenes Auto ein Kapitalverbrechen!) Er kaufte sich sicherheitshalber noch ein paar Redbull während ich am Beifahrersitz kniend glaubte, das wären jetzt mindestens schon die Presswehen (haha – wie naiv!)

Im Geburtshaus angekommen begrüßte uns die Hebamme total relaxt. Nachdem ich in ein neckisches Hemdchen geschlüpft war besah sie sich den Muttermund, der meinem Gefühl nach schon 15cm weit war. Es waren 3! In Worten DREI! Nicht mehr. Ich setzte mich am Ball. Ich badete. Ich kniete auf allen Vieren. Ich bekam einen Einlauf – (besonders erniedrigend). Nichts ging weiter. Dabei hatte ich „schöne, regelmäßige“ Wehen! Irgendwann am Vormittag wurde ich hysterisch und schrie nach Kreuzstich, Totalnarkose, chemischer Keule und war kurz davor der Hebamme die homöopathischen „Schmerzmittel“ nachzuschmeißen die sie mir ständig unter die Nase hielt. Aber dann kam einer der Höhepunkte der Geburt: die manuelle Dehnung des Muttermundes! (Die Folterschergen so mancher Diktatoren könnten hier was lernen!)

Zu Mittag saß ich „bereits“ am Gebärschemel vor einer Sprossenwand und hechelte wie ein Windhund nach einem 400m-Rennen. Mein Mann war kreidebleich, weil er während der Wehen immer wieder den Wahnsinn in meinen Augen aufblitzen sah. (Damals wusste er ja noch nicht, dass das dazu gehört!) Plötzlich nahm ich den Duft von Kaffee wahr! Die Erlösung war also tatsächlich nahe (Im Geburtsvorbereitungskurs hatte frau uns erzählt, dass kurz vor dem Austritt des Köpfchens ein heißer Umschlag mit Kaffe gemacht würde, weil das den Damm dehnte und so Rissen vorbeugte). Nach 1 Stunde (!!!) Presswehen kam ein Winzling aus mir heraus, der sich angefühlt hatte wir ein Medizinball. Anfangs wollte ich sie gar nicht sehen – wer mir so arge Schmerzen zugefügt hatte, war meiner Zuneigung nicht wert!

Doch wie sie so auf mir lag, verschmiert, bläulich gelb, auch ganz erschöpft, da schoss mir die Liebe ein. Und wir heulten alle und waren glücklich…

… bis zu dem Zeitpunkt als die Hebamme mit besorgter Miene meinte: Die Placenta kommt nicht nach. Sie wird jetzt ein bissi nachhelfen, das kann ein wenig weh tun. Und so zog sie an an der Nabelschnur, nicht ohne mir gleichzeitig auf den Unterbauch zu pressen. Das Blut quoll nur so aus mir heraus. Mein Mann dachte, das war´s! Trotz – im wahrsten Sinne des Wortes – heftigster Bemühungen der Hebamme musste ein Anästhesist gerufen werden. Da hatte ich sie endlich: die Vollnarkose! Ich war dem Arzt, der sich tausendmal entschuldigte, zutiefst dankbar!

Wir frühstückten noch gemeinsam mit der Hebamme. Auch meine winzige Tochter nahm ihre erste Mahlzeit problemlos zu sich. Dann setzte ich mich auf meinen Schwimmreifen ins Auto und wir fuhren heim. Und ich schwor einen Eid: Nie wieder gebären!

Diesen Eid sollte ich drei Jahre später brechen.

Die zweite Geburt ging ein bisschen schneller – obwohl ich der Hebamme partout nicht glauben wollte, dass es jetzt wirklich nur mehr ein paar Minuten dauern würde. Mein Mann wusste bereits, dass ich vermutlich nicht sterben werde, obwohl ich es sehr glaubwürdig mitteilte und darstellte.

Jetzt sind meine Kinder schon 7 und 4 Jahre alt. Meine ganze Freude (und mein ganzer Ärger). Den Schmerz kann ich nur noch nacherzählen aber gottseidank nicht mehr nachempfinden. Das hat die Natur schon sehr schlau eingerichtet ;-)

 

Geburtsbericht von Alexandra Fiedler-Lehmann

 

 
 
 
 
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