Da Paul in Beckenendlage saß, wurde für den 29. August 2002 ein Kaiserschnitt-Termin vereinbart. Am 28. August musste ich um 14 Uhr ins Krankenhaus. Dort wurde dann der genaue Termin für 8:15 Uhr angesetzt. Diverse Untersuchungen und Gespräche mit verschiedenen Ärzten ließen den Nachmittag im Krankenhaus relativ schnell vergehen. Gegen Abend musste ich mich dann von meinem Freund verabschieden. Er wollte dann am nächsten Morgen gegen 7:30 Uhr wieder bei mir sein, damit er Paul nach dem Kaiserschnitt gleich in Empfang nehmen konnte.
Die Nacht war lang und ich konnte so gut wie kein Auge zumachen. Um 4 Uhr morgens weinte das Baby von meiner Zimmernachbarin und riss mich aus meinem leichten Schlaf. Das Baby wurde gestillt und gewickelt und ich blickte ständig nur auf diese große Uhr die genau vis a vis auf der leeren weißen Wand hing. 4:15 Uhr – 4:30 Uhr....... und die ganze Zeit über turnte Paulchen heftigst in mir herum. Er spürte wohl meine Unruhe. Doch plötzlich, 4:45 Uhr, was war denn das, es knackste unter meinem linken Rippenbogen und eine Sekunde später lag ich auch schon im Nassen. „Oh“ dachte ich mir „was ist denn jetzt los?“ – „Sch....“ sagte ich und meine Zimmernachbarin fragte was denn los sei. Ich sagte: „Mir ist die Fruchtblase geplatzt!“.
Also drückte ich auf den roten Knopf und rief der Schwester. „Bitte sehr“ kam da aus dem Hörer über meinem Bett. Wieder sagte ich: „Schwester, mir ist die Fruchtblase geplatzt.“ Dieses mal kam ein erstauntes „Oh“ aus dem Hörer. „ Ich komme schon“.
Ehe ich viel nachdenken konnte, waren schon zwei Schwestern bei mir, schnappten mein Bett und führten mich in den Kreißsaal. Die eine Schwester meinte nur: „Na da will wohl Einer nicht mehr warten?“. Und geistig bedankte ich mich bei Paulchen, ansonsten hätte ich bestimmt die restlichen 4 Stunden bis zur OP wach gelegen.
Im Kreißsaal angekommen setzten auch schon die Wehen bei mir ein. Die Schwester hing mich ans CTG an und fragte mich nach der Telefon-Nummer von meinem Freund, damit sie ihn anrufen könne und Bescheid gibt. Doch der schlief tief und fest und sein Handy war abgedreht. Ich bat die Schwester darum mir mein Handy zu bringen damit ich ihm ein SMS schicken könne. Nach kurzer Diskussion, weil Handys im Kreißsaal eigentlich nicht erlaubt sind, brachte sie es mir und ich schrieb: „Hallo Schatzi, unser Baby ist schon unterwegs. Mir ist die Fruchtblase geplatzt. Du kannst gleich kommen!“
Inzwischen wehte ich „munter“ weiter und beschloss, gemeinsam mit der Hebamme noch eine Stunde zu warten. Sie meinte nämlich, dass die Wehen gut für`s Baby wären und außerdem könnte es ja sein, dass bis dahin mein Freund auch da sei. Also atmete ich ganz brav und schaute auf die Uhr, die wiederum genau vor mir hing. Alle 5 Minuten kamen die Wehen. Eine Ärztin kam und machten US um zu sehen ob sich Paulchen vielleicht doch noch gedreht hat. Hat er aber nicht. Leider. In dem Moment dachte ich mir wie schön es nicht wäre jetzt normal zu gebären.
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Die Ärztin untersuchte meinen Muttermund: 1cm offen. Die nächste halbe Stunde war ich damit beschäftigt meine Wehen zu veratmen und mich mit der Hebamme zu unterhalten. Um 5:45 war mein Muntermund schon 3 cm offen und jetzt war es an der Zeit etwas zu unternehmen. Der Katheder wurde gesetzt, die Narkoseärztin kam und erklärte mir noch einmal alles ganz genau. Plötzlich bekam ich einen sehr starken Druck auf die Blase. Ich dachte der Katheder wäre vielleicht schlecht gesetzt, aber die Hebamme meinte das Baby würde schon so kräftig nach unten drücken. Also schoben sie mich schnell in den OP. Inzwischen war ich derart nervös, dass ich ununterbrochen heulen hätte können. Der Kreuzstich wurde gesetzt und ich wurde auf den OP-Sessel verfrachtet. Von da an ging alles sehr, sehr schnell. Ein großes grünes Tuch wurde vor meine Brust gehängt. Mein Gott, wie dieses Tuch gestunken hat!
Rechts von meinem Kopf saß die Narkoseärztin, links davon eine Krankenschwester. Die Schwester berichtete mir immer, wie weit der Arzt schon war. Aufgeschnitten war ich ziemlich schnell, dann sagte sie „ Ich kann schon einen Fuß sehen, den Zweiten, jetzt den Popo und da ist er schon!!“ Im selben Moment hörte ich Paul schreien. Ich war überwältigt von Gefühlen. Ich weinte und lachte gleichzeitig, eigentlich kann man dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Es ist einfach zu groß als dass man es beschreiben könnte.
Paulchen wurde kurz weggebracht um gleich darauf neben meinen Kopf gelegt zu werden. Mit meiner Wange strich ich über seinen Oberkörper, die Hände waren ja leider festgebunden. Diese weiche, samtige Haut. Dieses kleine Bündel Mensch da neben mir war also MEIN Baby!! Wahnsinn!
Doch plötzlich fiel mir der Blutdruck ab und mir wurde schwindelig und schlecht. Paulchen wurde wieder hinausgetragen und mir wurde die „Speibschüssel“ neben mein Gesicht gelegt, die ich auch dringend benötigte. Eine Spritze wurde mir verabreicht und kurz darauf ging es mir wieder besser. Eine halbe Stunde später waren alle Schichten wieder zugenäht und zugeheftet und ich wurde in den Kreißsaal zurück gebracht wo ich die nächsten 6 Stunden zur Beobachtung verbringen sollte. Kaum dort angekommen, wurde mir Paul gebracht und an die Brust gelegt. Ich dachte jetzt müsse nur noch mein Freund kommen und alles wäre perfekt. 10 Minuten später war es dann soweit. Total aufgebracht stürzte er ins Zimmer und umklammerte uns. Es war soooo schön wie wir drei da eng umschlungen waren. Ein echtes Glücksgefühl!
Geburtsbericht von Uschi Berger |